Joe – der Ausflug

Ob ich mir denn vorstellen könnte, ihn zu heiraten. Ich wich aus. Wir hätten noch keinen gemeinsamen Alltag erlebt, wüssten nicht, wie unsere Beziehung unter normalen Umständen funktionieren würde. Er läge tagein und tagaus auf der Couch und unser gemeinsames Leben beschränke sich allein darauf. Das machte ihn traurig. Das hatte er noch gar nicht bemerkt. Aber dass es wahr war, wusste er auch. Auch wenn er noch nicht wusste, dass ich einfach viel zu viel Angst gehabt hätte, „ja“ zu sagen. Für mich war das eine Ausflucht. Später sagte er mir einmal, dass er denken würde, dass ich mich einfach selber schützen und deshalb vieles nicht zulassen würde. Ich sagte ihm, dass das schon sein könne. Meine eigenen Gefühle mit all ihren Widersprüchen konnte ich zu dieser Zeit trotz größter Anstrengungen nicht vollständig durchblicken. Viel zu weit war ich in dieses Dilemma, in dieses Drama verstickt. Er wusste vor mir von meiner Liebe zu ihm und ihrer Tiefe, obgleich ich sie oft spürte, ob Ihrer Echtheit aber nicht richtig einordnen konnte, wegen meines Wechselbades der Gefühle, denen ich ausgesetzt war.

Der Schmerz über meine Aussage und einen fehlenden, gemeinsamen Alltag, bei dem wir auch etwas anderes als sein Wohnzimmer sahen, trieb seine Gedanken an und so entwickelte sich sein Wunsch, nun doch einem Rollstuhl zuzustimmen, damit wir gemeinsam Unternehmungen machen konnten. Diesen Zusammenhang begriff ich erst später und freute mich in dem Moment einfach nur über seinen Sinneswandel. Wir redeten uns ein, wir könnten verschiedene Ausflüge unternehmen, zur Halde, in Parks und in die Moschee, wo er einmal offiziell konvertieren wollte. Er wollte mir vieles zeigen aus seiner Umgebung. Und so fingen wir an dem schönsten Herbsttag, den man sich nur vorstellen konnte, an dem Tag, an dem die jungen Leute abends rohe Eier in der Fußgängerzone in Oberhausen auf die Straße schmissen und sich in schaurigen Kostümen umhertrieben, mit seiner ehemaligen Joggingstrecke an. Dass sich weitere Ausflüge wohl schwierig gestalten würden, ahnten wir schon beim ersten Versuch, die Wohnung zu verlassen. Unterwegs zweifelte ich schon fast, ob wir es überhaupt aus dem Haus schaffen würden. Aber dann war er unten angekommen und saß plötzlich freudestrahlend auf seinem Rollstuhl. Draußen. In Freiheit. Sofort vergaßen wir beide das Davor und Danach und freuten uns einfach nur über den Moment, den wir vollkommen auszukosten gedachten und das auch taten. Sein Geruch stieg mir in die Nase und erfreute mich. „Riech ich?“ fragte er mich bestürzt, als ich ihm dies erzählte. Nein, nein, keine Sorge. Und dann ging es los. Nach rechts und geradeaus die Straße hinunter. Bis zur Hauptstraße.

Er war still und genoss wohl einfach den Moment, wobei ich nicht weiß, welche Gedanken ihm sonst so durch den Kopf gingen. Er wirkte glücklich und zufrieden, aber auch schon ein wenig dieser Welt entrückt. Ich spielte meine Rolle als fröhliche, fürsorgliche Begleiterin, die erst noch lernen musste, zusammen mit ihrem Patienten, wie man den kleinen und größeren Hürden im Straßenverkehr mit so einem Rollstuhl begegnet und sie überwindet. Vorwärts den Bordstein hinunter oder doch lieber rückwärts, weil Joe fast aus dem Stuhl kippte. Der Versuch, nicht von den Autofahrern überfahren zu werden. Sehen sie ihn überhaupt? Irgendwie ging alles gut, obwohl es ein eigenartiges Gefühl war, wie wir wohl auf unsere Umwelt wirkten, ich mit meinem Kopftuch, fast mitten auf der Straße, den vergreisten, kranken älteren Herrn im schwarzen Retro-Sakko vor mich herschiebend. Die schnellen Autos, die an uns vorbeirauschten in dieser lauten, schnellen Welt, die Joe vielleicht schon fast vergessen hatte, auf seiner ruhigen Couch, in der Stille seines Wohnzimmers, wo er monatelang, tagein und tagaus ausharrte, außer er quälte sich auf die Toilette oder mal zum Kühlschrank, solange dies noch ging.

Ich schob ihn in dieser leuchtenden Außenwelt, die sich von ihrer schönsten Seite zeigte, vor mir her, blieb stehen und machte ein gemeinsames Foto mit meinem veralteten Handy. Ob er wusste, dass ich Angst hatte, keine Erinnerung an uns beide zu haben? Ich wusste es zwar noch nicht, ahnte es aber vielleicht. Jedenfalls überkam mich fast eine Art Panik, dass ich ihn nicht festhalten, nicht mehr erleben könnte und so griff ich später noch einmal zum Handy, um unser letztes, gemeinsames Foto anzufertigen. Und das letzte, das von ihm existiert. Gott hatte dabei Erbarmen mit uns, weil diese Fotos in dieser schönen Umgebung mir heute noch eine Freude und eine sehr wertvolle Erinnerung sind. Gott wusste es.

Ich schob Joe vor mir her, durch all das rote und gelbe Laub. Wunderschön. Es türmte sich vor seinen Füßen auf und so entwickelten wir die erheiternde Strategie, gelegentlich seitwärts abzubiegen, um rückwärts-vorwärts wieder unseren Weg fortzusetzen und den Laubberg an der Seite abzuladen.

Die Sonne wärmte uns und wir rasteten an einer Bank. Eine schöne Strecke war das. Und weit. Gut 5 km, glaube ich. Als wir saßen – ich war froh, ein wenig Luft zu holen, die Schieberei hatte mich angestrengt und zum Schwitzen gebracht – meinte Joe, dass er sehr kurzatmig sei. Da dies keine ungewöhnliche Neuigkeit war und ich auch nicht viel dazu sagen konnte, sagte ich nichts, sondern fragte nur, ob er müde sei und Heim möchte. Er wollte noch nicht gleich, aber doch bald darauf. Das tat mir leid, weil er nicht einmal diesen Ausflug richtig genießen konnte.

Ich sog alles mit all meinen Sinnen auf und versuchte jedes Bild, jeden Eindruck festzuhalten und in meinem Gedächtnis niederzuschreiben. Die gelben Bäume, Joe, die Sonne, die Wege voll Laub, die Wegstrecke an sich, einfach alles. Ich fragte ihn noch nach Details aus seinem Leben, nach seinen Gedanken und Erinnerungen. Viel mehr Gelegenheit sollte ich dazu auch nicht mehr bekommen. Und als ahnte ich das, nutzte ich jede Chance dazu.

Wir bogen um die letzten Kurven und ich fand endlich wieder Orientierung. Vor seiner Straße waren wir. Bald wieder zuhause. Und dann kam der Hausflur mit den Treppen. Er saß vermutlich 20 Minuten auf den ersten Stufen der Treppe, die ich ihn einfach nicht hochbekam. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, weil ich ihm auch nicht wirklich helfen durfte. Ich stand da nur und schaute ihn an und fragte mich, was ich jetzt tun solle und wie er bis ganz oben kommen solle, wenn wir noch nicht einmal die ersten Stufen schafften. Vollkommen entkräftet und mit Schmerzen durchtränkt hatte er sich mit dem Kopf auf den Knien zusammengekauert und schlief vielleicht sogar zwischendurch.

Dann schickte Gott einen Engel in Gestalt seines Nachbarn. Rüstig und sportlich, mit seinem Fahrrad. Und um die 70 Jahre alt, wie Joe schon fast entsetzt und schmerzhaft feststellte. „Der alte Mann ist fitter als ich. Schau mich an!“ „Ich weiß, Joe. Aber du darfst nicht vergessen, du bist krank! Was erwartest du? Das kann sich alles wieder ändern.“ Daran konnte er nicht wirklich glauben und ich auch schon fast nicht mehr.

Der rüstige Nachbar, für den ich ein Dankgebet gen Himmel schickte, erbarmte sich und hievte Joe mit einer Engelsgeduld, viel Kraft und Einfühlungsvermögen und dem Vertrauen Joes, der sich von ihm auch helfen ließ, bis in seine Wohnung. Unseres Dankes und Rückenschmerzen gewiss, die ihm trotz hervorragender Konstitution an sein eigenes Alter erinnerten, ergriff er anschließend sofort die Flucht, als ich seinem Gesicht seinen Vorsatz, nie wieder in so eine Situation zu geraten, entnehmen konnte. Daran änderte vermutlich auch das Blümchen nichts, das Joe und ich ihm und seiner Frau anschließend schenkten.

Oben angekommen, ruhte sich Joe erst einmal samt Straßenkleidung und Schuhen in seinem Sessel aus. Bis auf die Couch schaffte er es jetzt nicht mehr. Zwischendrin schlief er immer wieder ein. Er war völlig erschöpft. Und doch konnten wir uns irgendwann unser Gelächter nicht mehr verkneifen. Wir hatten es geschafft (mit Gottes Hilfe – und NUR so) und waren draußen gewesen. Das konnte uns nun niemand mehr nehmen. Auch wenn sich Joe anschließend in seinen Papierkorb erbrechen musste vor Erschöpfung. Ich half ihm, so gut ich konnte und irgendwann zog ich ihm dann auch die Schuhe wieder aus, brachte ihm seine Kleidung. Und irgendwie landete er irgendwann wieder auf seiner Couch. Auch wenn wir den Rollstuhl nur für dieses eine Mal gebrauchen konnten – es hatte sich rentiert. Gott sei Dank hatten wir uns diese Gelegenheit nicht durch die Lappen gehen lassen. Er schlief lange, glaube ich. Und ich kaufte ein. Danke, danke, danke Gott. Für all das!

Abends war ich dann noch zu seiner Bank unterwegs, die ich erst einmal finden musste. Etwas säuerlich, weil ich total gestresst war und die Wegbeschreibung von Joe zu wünschen übrig ließ. Ich geriet langsam an meine Grenzen. Und das bekam auch er zu spüren, auch wenn ich mein Möglichstes versuchte. Es tut mir bis heute leid, dass ich das nicht ganz von ihm fernhalten konnte. Er konnte doch nichts dafür. Und er hatte so viele Sorgen auf seinen Schultern, von denen ich gar nichts erfuhr. Erst, als er gestorben war. Ich wünschte, ich hätte ihm besser helfen können. Ich wünschte, ich wäre hilfreicher gewesen, hätte seine Sachen ordnen können, ihm viel Kummer abnehmen. Wenn ich Manches gewusst hätte, hätte ich viel früher alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Vieles selbst in die Hand zu nehmen. Aber wieviel Selbstständigkeit gewährt man einem Todkranken? Und wieviel von all dem, was ich hätte tun wollen, hätte ich tatsächlich umsetzten können? Mit Hartz 4. Fünf Zugstunden entfernt. Mit einem Sachbearbeiter, der einem jeden Stein in den Weg legt, zu einer Zeit, in der ich alles, wirklich alles versucht habe, nach Oberhausen zu kommen. Es sollte nicht sein. Den Griff von Gottes Hand haben wir zu spüren bekommen. Er hat mich geschützt. Vor dem Danach. Und dem Zuviel.

KaleidoPhi
(13.11.2016)

 

 

Joe – das ungleiche Paar

Wir standen gemeinsam an der Bushaltestelle und alberten herum. Sein Tumor hatte bereits gestreut und so hatte er am Kopf eine offene Stelle, die über Monate nicht heilte und ununterbrochen suppte. Ständig kam das Blut unter dem Verband hervor und lief ihm über seine Schläfe bis an den Hals. Ich achtete darauf und half ihm immer wieder, nicht allzu gruselig für seine Umwelt auszusehen.

Neben uns saß ein Fahrgast auf der Bank und wartete ebenfalls auf den Bus. Und wir unterhielten uns wie vollkommen normale Menschen: „Ach, dieser Husten immer. Scheiß Tuberkulose.“ „Ist deine Ebola eigentlich ansteckend?“ Wir kicherten und freuten uns wie zwei Kinder über unsere Gemeinheiten und das skurrile Bild, das wir abgaben. Ich meinte zu ihm, dass ich es toll fände, dass er sich mit mir mit meinem lachsfarbenen Glitzerkopftuch, pinkem Blümchenkleid und Blümchenschuhen nicht genierte, obwohl er auf bunt schon fast pikiert reagierte. Seine Lieblingsfarbe war grau. Er bot mir seinen angewinkelten Arm an, um mich bei ihm einzuhaken und meinte mit vor Stolz schwellender Brust: „Wieso, ich habe doch eine tolle Frau an meiner Seite.“

KaleidoPhi
(26.11.2016)

Joe – der Traum

„Lass uns träumen“. Und so träumten wir. Von meinem Umzug nach Andernach, wo wir, wenn er sich von seiner Krankheit wieder erholt hätte, zusammen am Rhein spazieren gehen würden. Von meinen Besuchen bei ihm. Unserer Eheschließung. Von einem gemeinsamen Haus, das wir uns irgendwann errichten würden, mit all den Sonderwünschen, wie einem orientalischen Innenhof mit Brunnen, hölzernen Galerien hinter hochgewachsenen Bäumen des andalusischen Gartens mit Kräutergarten und Orangen- und Zitronenbäumen.
Einer Bibliothek, Gebetsraum, Kung Fu-Zimmer für mich, freistehender Küche mit Gasherd für ihn, bis zum Schlafzimmer mit den lila Samtvorhängen, denen er nur widerwillig zustimmte. Wir waren beide kompromissbereit.
Von Ausflügen mit dem Fahrrad in die Umgebung. Und vielleicht von Kindern, denen wir genau unsere unterschiedlichen Eigenheiten und Macken zuteilten. Wie wir sie erziehen würden und wo sie uns an unsere Grenzen bringen würden. Wir träumten davon, wie wir gemeinsam Gutes tun würden und am Ende unserer Tage gemeinsam, Hand in Hand, friedlich in unserem Bett, mit einem Lächeln auf dem Gesicht in den ewigen Schlaf hinübergleiten.

Wir wussten natürlich, dass es nie dazu kommen würde, waren dafür aber umso freier in unseren Wünschen. Ein Stück heile Welt, in dem alles möglich war. Und gemeinsame Lebenszeit. Wir liebten uns, auch wenn wir darüber nicht sprechen mussten.

Ich stellte mir vor, wie wir am Rhein entlang, links und rechts Berge, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte, als verliebtes Pärchen herumtollen würden. Ich würde vor ihm davonlaufen mit Lachen, mich umdrehen und warten, bis er mich wieder eingeholt hätte. Rheinabwärts, beim Sonnenuntergang, der alles in rote Wärme hüllte, während ein Schiff an uns vorbeifuhr.

Wie erstaunt war ich, als ich in Andernach das erste Mal am Rhein war und genau dieses Szenario vorfand, wie es sich in meinem Kopf abgespielt hatte – nur ohne Joe. Und ohne Lachen. Ich musste diesen Weg laufen, um uns im Nachhinein diesen gemeinsamen Traum zu erfüllen.

KaleidoPhi
(11.11.2016)

Warum schreibe ich?

In meinem Schreibkurs, den ich nun seit knapp einem Jahr belege, tauchte die Frage auf, warum wir uns schreibend mit der Welt auseinandersetzen. Die Antwort, die ich mir darauf mittlerweile geben kann, beeindruckt mich selbst derart, dass ich sie gerne hier teilen möchte.

Mein erster Text  „Joe – eine Kurzgeschichte oder 101 Tage und die Hoffnung auf mehr„, den ich vor knapp zwei Jahren geschrieben habe, war für mich damals ein Ventil, als mein schwer krebskranker Freund und potentieller Partner nach einem Schlaganfall für mich über eine größere geografische Distanz nicht mehr greifbar war. Der Text war zudem mein Geburtstags- und Abschiedsgeschenk für ihn und eine Liebeserklärung, da wir uns noch nicht sehr lange kannten.

Danach wurde das Schreiben für mich mein Weg, seinen Tod und meine Einsamkeit nach einem weiteren Umzug zu überwinden, in dem Schreibkurs, den ich auf der Suche nach neuen Möglichkeiten belegte, neue Perspektiven und sogar neue Freunde zu finden und schließlich meine zahlreichen Facetten als ein Ganzes sichtbar zu machen, mich so zu komplettieren, auf einem Lebensweg, der von vielen Umzügen und wechselnden Freundeskreisen geprägt war, Menschen, die immer nur einen Teil von mir kennenlernen konnten.

Auf diesem Weg ist Schreiben für mich außerdem ganz besonders ein Mittel geworden, für eine tolerantere und bessere Welt zu kämpfen, andere Blickwinkel aufzuzeigen und die Herzen der Menschen zu erreichen (siehe „Warum „KaleidoPhi“?„).

Manchmal beschenke ich mit einem Text auch einfach einen Freund oder eine Freundin.

Mittlerweile ist das Schreiben für mich auch Teil meines Kampfes gegen die Depressionen geworden, an denen ich seit frühester Jugend leide, die Überwindung der Sprachlosigkeit und Isolation in dieser Krankheit, ein Weg der Kommunikation mit meiner Umwelt. Und ein Mutmachen für andere, die in ähnlichen Krisensituationen stecken.

Durch den großen Zuspruch ist Schreiben auch Teil meines Lebenskonzeptes und Stütze meines Selbstwertes geworden, in einem Lebensabschnitt, der bisher Gültiges ins Wanken gebracht hat.

Zusammenfassend könnte ich sagen, dass mein Schreiben mir und anderen Mut macht und machen soll und in der heutigen, krisengebeutelten Zeit ein Baustein des Friedens.

Und ich danke den Freunden, die ich nun schon seit längerer Zeit habe oder die ich neu hinzugewonnen habe, für ihren Zuspruch und dafür, dass sie mich auf meiner Reise begleiten und unterstützen. In ihnen habe ich ein Zuhause gefunden.

Vielen Dank!

Eure KaleidoPhi

Schwarzer See

Schwarzer See,

da bist Du wieder.
Was willst Du von mir?
Verschluckst mich. In Deine Tiefen.
Zerdrückst und bedrängst mich,
bis mir die Luft entweicht.
Erstickst meine Stimme,
so dass ich nicht weinen kann,
keine Worte mehr finde.

Hast Du nicht genug von mir?
Lebensfresser,
Seelenmoor.
Das schwarze Loch, Deine fröhliche Cousine.

Ich kenne Dich. Nur viel zu gut,
mein Freund und Feind.
Heute besser als damals.
Deine Tiefen sind mir wohlbekannt.
Das Ende, Dein Grund.

Überrascht Dich das?

Ich bin ihn längs getaucht.
Kenne ihn blind.
Im Dunkel sieht man nicht gut.
Hab gefühlt und getastet.
Am Anfang noch panisch. Heute mit Ruh‘.
Und ich weiß, Du bist endlich.

Denn Du bist nur ein See.
Begrenzt und schwach.
Lebst von der Angst. Raubst gern die Hoffnung.
Doch ich bin stärker als Du.

Denn ich habe Freunde.
Und Kraft. Viel mehr als Du
mir je rauben kannst.
Habe Hilfe von Mächten,
die Dir weit überlegen sind.
Mein kleiner See.
Nein, klein bist Du nicht.
Aber erbärmlich.
Suchst Du einen Freund?

Auch schwarze Worte liest man nur
auf weißem Papier.
Mich kriegst Du nicht.
In meinem Herzen ist Licht.

KaleidoPhi

wortloses Glück

Wärme tanzt um uns herum. Grün zieht vorbei. Und Frühlingsluft. Moment der Freude. Sonnenschein. Weite. Die Straßen wehen an uns vorbei. Streifen uns durchs Haar. Wehen uns ins Gesicht. Schwingende Süße in der Luft. Musik im Ohr. Wir sind frei. Fühlen uns frei. Wir sind zwei.

Gemeinsam durch die Luft. Die Luft spricht mit uns. Gibt uns Gewissheit. Alles ist gut. Soll immer so bleiben wie jetzt. Fang diesen Moment ein. In Deinem Herzen und halte ihn fest. Du bist da. Das ist alles was zählt.

KaleidoPhi
(23.04.17)

Projektion

Sind wir in der Lage, richtig zuzuhören? Und wollen wir das überhaupt?

Oder begnügen wir uns damit, dass uns jemand die passenden Stichworte vor die Füße wirft, damit wir sie hastig aufgreifen und zu dem zurückkehren können, was uns wirklich interessiert: uns selbst?

Wenn wir zuhören, nehmen wir uns dann die Zeit, die Sachverhalte, Emotionen, Hintergründe richtig zu erfassen, oder wissen wir im Grunde sowieso schon, was vorliegt und schalten vom Zuhörenmodus in den Ratgebermodus? Vielleicht sind wir da manchmal zu vorschnell, vom Alltag getaktet und projizieren unsere eigenen Bilder, Erfahrungen, Urteile in das, was uns unser Gegenüber versucht, mitzuteilen.

Vielleicht fühlen sich Menschen deshalb oft einsam und unverstanden, weil wir ihnen gar keine Gelegenheit mehr geben, uns zu erzählen, was sie wirklich auf dem Herzen haben. Vielleicht kommt daher die Wut.

Hören wir doch ein bißchen zu. Oder seien wir ehrlich, dass wir gerade nicht aufnahmebereit sind. Zuhören braucht Zeit. Und Ruhe.
Nehmen wir uns die, damit wir unsere Mitmenschen wieder kennenlernen dürfen und uns wirklich von ihnen bereichert fühlen. Damit es wieder ein Miteinander gibt und Herzenswärme. Dann brauchen wir nicht mehr so viel zu streiten. Wenn wir einfach mal zuhören.

Salam und ein friedliches Wochenende

KaleidoPhi

Der richtige Tonfall

In letzter Zeit treibe ich mich vermehrt in sozialen Netzwerken herum. Normalerweise liegt mein Focus eher im echten Leben oder auf Papier. Etwas altmodisch vielleicht. – Nicht so, dass ich nicht wüsste, was so abgeht im Netz.

Dennoch bin ich etwas erschüttert über die Umgangsformen und Verhaltensweisen, auf die ich stoße. Das macht mich betroffen.
Dabei spielt es keine Rolle, welche Intention jemand verfolgt. Das Verhalten unterscheidet sich oft nicht.

Und so werden fleißig Missstände veröffentlicht, mit Fingerzeig: „Da sieht man’s wieder!“, „Das geht doch nicht!“, „Wie kann man nur…!“
Im Einzelnen völlig nachvollziehbar. Auch ich erliege solchen Mechanismen.
In der Summe jedoch wird mir deutlich, wie belastend das für uns als Gesellschaft ist, wie Aggressionen geschürt werden, die sich bis zur blinden Wut entladen.

„Feinde“ werden definiert. Feinde! Ein starkes Wort. Gäbe es doch auch „Gegner“, „Kritiker“ und „Skeptiker“. Warum „Feind“? Ein Feind trachtet mir nach dem Leben. Ein Feind hasst mich.
Zwischen Freund und Feind liegt eine große Spanne! Und dabei dürfte es um die große Mehrheit gehen. Um die, mit denen man einfach friedlich zusammenleben kann.

Lager werden gebildet. Und wenn jemand gegen die Gruppendynamik verstößt, wird er beworfen, verbal beschmutzt. Das tun auch „die Guten“. Beschimpfungen werden ausgepackt. Zurechtweisungen ausgesprochen, in einem Tonfall, der mich erschreckt.
Warum können wir nicht freundlich miteinander reden?

„…und suche nicht Verderbnis auf Erden zu verbreiten…“ habe ich gestern im Koran gelesen. Bisher dachte ich dabei an Schlechtigkeiten im herkömmlichen Sinn.
Doch nun ist mir klar, dass auch durch das, was wir posten oder durch die Art, wie wir Menschen auf ihre Fehler hinweisen, Verderbnis verbreitet wird. Zorn. Hass. Im ganzen Netz. Und in unseren Herzen.

Mit Liebe, Peace, Salam

KaleidoPhi

Der Spinnfaden

Eben sitze ich unter einem Ginkobaum und betrachte. Die Blätter, die sich im Sonnenschein wiegen und einen mit ihrem Licht- und Schattenspiel verzaubern.
Ginko. War es nicht dieser Baum, den ich aus meiner Kindheit kenne? Tao Tao – Der kleine Pandabär. Ich schmunzle. – Vermutlich.

Schön, diese Blätter und das Gebäude, das ich betrachte. Ich hätte Lust, es zu zeichnen. Der blaue, wolkenlose Himmel.

Taubengurren versetzt mich wieder in meine Kindheit. Diese Ruhe, dieser Frieden. In dem kleinen, niederbayerischen Dorf, in dem Haus mit den viel zu niedrigen Türstöcken, bei denen sich mein Vater immer ducken musste. Damals hielt ich das für normal.
Das Haus mit dem großen Schuppen mit dem Rolltor. Und oben im Gebälk gurrten die Tauben. Für mich ein schönes Geräusch. Beruhigend.
Ich komme zur Ruhe.

Und dann fällt mein Blick plötzlich auf einen Spinnfaden. Schon zuvor fiel er mir auf. Doch nun tänzelt er in meinem Blickfeld. Hin und Her. Auf und Ab. Und die Sonne spiegelt sich. Und plötzlich denke ich mir: Wie schön!
Eigentlich unglaublich, wie viel Schönheit Gott in nur einen Spinnfaden gelegt hat. Wunderbar. Wenn man nur hinschaut.

KaleidoPhi

Zehn Stunden

Schönen guten Morgen.

In letzter Zeit hat mich etwas tief beeindruckt. Die Tochter meiner syrischen Freundin, die ich in meiner neuen Heimat an Rhein und Mosel gefunden habe.

Immer wieder läutet es an meiner Haustür: „Liebe Grüße von meiner Mutter“, so steht die Kleine freudestrahlend da, mit einer großen Portion Essen – kulinarische Genüsse aus Syrien – und erleichtert mir so meinen Burnout-Alltag.

Vor einem guten halben Jahr rief ihre Mutter dann panikartig an. Das liebe Kind, grundgescheit, seit kurzem auf dem Gymnasium, hat eine Fünf in Deutsch! Hyperventilierender Redeschwall einer aufgelösten Mutter kurz vor den Tränen: „Sie sagt, sie schafft nicht, weil sie kann nicht gut verstehn, weil sie ist nicht hier geboren und kann nicht Deutsch, wie deutsche Kinder und ich kann ihr nicht gut erklären, weil ich kann nicht so gut Deutsch (gut genug für den Alltag, aber nicht für Prüfungen auf Gymnasialniveau) und ich gucke Hausaufgabe, aber ich verstehe nicht, jetzt will sie nicht mehr auf Gymnasium gehen, sondern auf Realschule und der Lehrer hat gesagt, schafft sie nicht Gymnasium. Ich sag ihr, ist nicht schlimm, ist normal am Anfang, soll sie probieren, aber sie weint und ich kann ihr nicht helfen und ich weiß nicht, was ich machen soll, bin ich unglücklich, wenn meine Tochter weint und kann ich nicht schlafen und wollte ich fragen, weil ich weiß sonst nicht, was ich machen soll, ob du helfen kannst, weil ich hab keine andere Idee.“

„Heeeey, ganz ruuuuhiig, alles guuut. Beruhig dich erst mal.“ In die Arme nehmen. Drücken. „Das kriegen wir schon.“

Jetzt kann ich aber leider wirklich nicht allzu viel helfen in meinem Zustand. Und das sage ich auch. So haben wir uns darauf geeinigt, dass sie mich im Bedarfsfall fragen, ob es bei mir geht und wenn, dann helfe ich bei den Hausaufgaben oder erkläre etwas, wo Fragen auftauchen. Zumindest ein wenig. Aus meiner Sicht, mehr guter Wille, als tatsächliche Hilfe.

So sitze ich sporadisch mit dem kleinen Schatz da, erkläre ihr nach Vermögen die deutsche Grammatik und was ein Märchen ausmacht.
Am Anfang geht’s ja noch, aber wenn dann von adverbialen Bestimmungen von Ort, Zeit, etc., Genetivobjekten und etlichen Möglichkeiten der Verwendung von irgendwas, Partizipdingsda, von und zu, die Rede ist, wird es für mich auch irgendwann unübersichtlich und ich frage mich, wie ich den Stoff damals eigentlich mangels Lerneifer bewältigt habe. Manches höre ich heute bewusst das erste Mal. Finde ich auch gut, das mal nachzuholen, aber dem Kind hilft das herzlich wenig. Besonders, wenn ich die Inhalte zwar im Moment verstehe, aber beim nächsten Mal schon wieder vergessen habe.
Für mich frustrierend, wenn ich dann nur immer wieder sagen kann: „Ich verstehe es so…, da und da weiß ich es auch nicht genau…, ich denke, so und so ist das gemeint, aber alles ohne Gewähr, etc.“ Das Mädchen hochzufrieden und dankbar: „Nein, danke, Du hilfst mir super! Ich verstehe immer, was Du erklärst.“
Und manchmal checkt sie’s besser als ich.

Unterm Strich sind zu meinem großen Bedauern so vielleicht zehn Stunden in den gut sechs Monaten dabei rausgekommen, in denen ich versucht habe, das Leid wenigstens gefühlsmäßig etwas zu lindern. Aber was nicht geht, geht nicht.

Nun, jetzt könnte man annehmen, dass es sich um eine tragische Geschichte handelt: Das Kind, mangels ausreichend Selbstwertgefühl und Zuversicht, kämpft vergeblich in dem Fach einer Sprache, die sie gerade mal seit zwei Jahren lernt, dreht vielleicht ein, zwei Ehrenrunden, schafft dann mit Müh und Not den Realschul- oder doch nur den Hauptschulabschluss, Ausbildung läuft auch nicht so, und so landet sie irgendwo, frustriert, eine gescheiterte Existenz… Integration versagt.

Von wegen. Thema Märchentheorie, eine Drei. Ok. Das war ja noch leicht. Thema Satzglieder. Das ist schon ’ne andere Hausnummer. Doch, angetrieben von der Tatsache, dass das ganze ein System hat, dass man das ja verstehen und lernen kann und die Tante einem auch noch sagt, wie man solche fremdwortüberladenen Adverbial- und Attributsbestimmungen dem Lehrer in guten, deutschen Sätzen richtig erklärt, verselbstständigt sich das Ganze zunehmend. Und so schaue ich eher betreten und dankbar für des Kindes Intelligenz dabei zu, wie sich die Kleine zur besten Schülerin der Klasse mausert. Zumindest nach der letzten Aussage ihres Lehrers.
Dabei denke ich mir, dass es vielleicht ganz gut war, die Geschichte von Ahmet Aydin, dem türkischen Germanistikstudenten und Poeten erzählt zu haben, der anfangs aufgrund seiner schlechten Deutschkenntnisse verlacht, und nun, durch Goethe inspiriert, die deutsche Sprache besser beherrscht, als die große Mehrheit. Mut machen, war meine Idee, auch wenn ich selbst an der Realisierbarkeit gezweifelt habe.

So ruft mich gestern die Tochter meiner Freundin an, bedankt sich überschwänglich für meine Hilfe, bis mir vor Rührung die Tränen laufen, erklärt mir ihre Freude über die guten Noten, die Drei im Zeugnis und das Erstaunen des Lehrers, der ihr im nächsten Jahr gerne die Note geben möchte, die sie nun seiner Meinung nach verdient hätte: eine Zwei. Wow.

Und dann denke ich mir: Zehn Stunden. Zehn Stunden, die über ein komplettes Leben bestimmen können, ein Lebensgefühl, Selbstwert und eine ganze Generation.

Eure KaleidoPhi

 

Burnout, Gebet und Ramadan

Dass Ausgebranntsein echt kein Spaß ist, habe ich heute wieder gemerkt. Drei Wochen Tagesklinik und die Erschöpfung schlägt wieder volle Kanne zu. Beim Gehen, im Sitzen, im Ruhezustand. Die Tränen laufen, weil ich einfach nur noch fertig bin. Da fällt mein Blick heute wieder einmal auf einen Aspekt in meinem Glauben, für den ich gerade in letzter Zeit besonders dankbar bin.

Burnout und Islam, davon habe ich bisher sowieso noch nichts gehört.
Aber ja! Neben Themen wie Gebet, Fasten, Diesseits und Jenseits, den Kampf gegen das eigene Schlechte, etc., kann man im Islam durchaus auch darüber reden! Vielleicht sollten wir das sogar! Das sind nämlich auch die Themen im 21ten Jahrhundert. Und entgegen der weitverbreiteten Ansicht, dass die Religion überholt sei, weil alt, denke ich persönlich: Islam kann auch Burnout!

Dass allein genügend Beten gegen jedes Übel dieser Welt hilft, halte ich nicht für die ultimative Wahrheit. Das heißt aber nicht, dass das Gebet überflüssig oder unnütz wäre oder man von Gott im Stich gelassen. Das Gebet ist kein Zaubertrank, sondern ein Hilfsmittel. Es hält die Verbindung zu unserem Schöpfer aufrecht. Und dafür bin ich dankbar. Ich weiß nämlich ehrlich gesagt nicht, was ich im letzten Jahr ohne mein Gebet und ohne meinen Gott gemacht hätte. Der hat mir nämlich gezeigt, dass es sein kann, dass ich in menschlicher Hinsicht ziemlich auf mich alleine gestellt sein kann, selbst wenn ich viele und gute Freunde habe.

Tod des wichtigsten Ansprechpartners, wieder mal ein Umzug, ein neuer Job und damit das Wegbrechen des gewohnten sozialen Umfelds. Natürlich gibt es auch Telefon und die digitale Welt. Das hilft bei einem Hb-Wert von 11, einem sich schon ankündigenden Burnout, der Trauer um einen geliebten Menschen und wieder aufflammenden Depressionen aber relativ wenig, da ich schon froh war, wenn ich die tägliche (Haus-)Arbeit gestemmt bekommen habe. (Noch so ein Thema – Singleleben im 21ten Jahrhundert.) Und nach einem Bewerbungsmarathon wie dem letzten, der vermutlich maßgeblich zu dem krassen Erschöpfungszustand geführt hat, hatte ich auch wirklich keine Kraft mehr für E-Mails und Co., sofern vermeidbar. Leider auch nicht für die schwierige Arztsuche durch Ärztemangel in Rheinland-Pfalz.

Jedenfalls, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich in meinem Gebet Rotz und Wasser geheult habe, war ich hier ziemlich aufgeschmissen. Bis dahin habe ich es mit Gottes Hilfe noch irgendwie geschafft – keine Ahnung wie. Und als dann gar nichts mehr ging, hat mir der liebe Gott einen Helfer und Freund geschickt. Soll nochmal einer sagen, das Gebet würde nichts helfen.

Nun, jetzt beten wir Muslime ja fünf Mal am Tag, um uns an Gott zu erinnern, was so manchem weltlich Gesinnten schon als eine Zumutung erscheint. Mir als Muslimin mehr als Seelenwellness, wenn ich das richtig praktiziere. Das heißt nicht, dass einem das nicht ein gewisses Maß an Disziplin abfordert. Doch genau daran hapert es bei einem Burnout. (Dass ein regelmäßiger Tagesablauf förderlich bei Depressionen ist, habe ich übrigens kürzlich amüsiert in der Tagesklinik gehört. Islam ist doch gar nicht so doof.) Doch was macht man als Muslim, wenn man das Gebet so nicht mehr schafft? Zumindest nicht immer. Dafür hat meine Religion schöne und moderne Lösungen. Wenn man müde ist, soll man sich erst ausruhen. Wenn man verschläft, soll man im Anschluss beten. Wenn man kraftlos ist, darf man sich hinsetzen zum Beten. Und wenn man das nicht schafft, kann man liegen. Man kann das Gebet auf einen Kern begrenzen, ohne weitere Zusatzgebete, die der Prophet gebetet hat. Und wenn ich all das nicht schaffe, darf ich hoffen, dass mein Gott meinen Wunsch, zu ihm zu beten, annimmt, weil es im Islam immer auf die Absicht ankommt. Im Notfall bitte ich ihn, mir zu helfen, mein Gebet zu verrichten. Und Gott sei Dank hat das bisher auch immer irgendwie geklappt. Nicht immer so vorbildlich, aber genug, um mir das Gefühl zu geben, dass die Verbindung nicht abreißt. Und manchmal bete ich einfach: „Ach, lieber Gott.“

In Marokko hat mir mal ein netter Zeitungsverkäufer erzählt, dass es reichen würde, wenn jemand nicht wüsste, wie er beten soll, wenn der Mensch einfach vor Gott stünde und ihn ansprechen würde: „Allah“ (das arabische Wort für „Gott“). Nichts weiter.
Und eine türkische Freundin erzählte mir eine Geschichte von einem Schafhirten, der nicht wusste, wie man betet. Das einzige, was er je gelernt hätte, wäre das Alphabet gewesen. Und so stand dieser junge Mann vor Gott und sprach das Alphabet, was ihm einen Platz im Paradies gesichert hätte, weil Gott diese Aufrichtigkeit gereicht hätte.

Klar, es handelt sich um Geschichten. Aber es zeigt, wie meine Religion funktioniert. Wie großzügig sie ist, bzw. Gott. Und so habe ich mich mit meinem mittlerweile verstorbenen, damals schwer krebskranken Freund köstlich darüber amüsiert, als er, damals schon bettlägerig, frisch zum Islam konvertiert, das Gebet lernen wollte. Er bekam große Augen: „Das lerne ich nie!“ Und so habe ich ihm einen Spickzettel mit einer vereinfachten Gebetsvariante für den Anfang, auf ihn zugeschnitten, mit dem Titel „Beten für Dummies“ angefertigt. Ich denke und hoffe, Gott hat es vielleicht gefallen.

Noch so ein Ding ist der Ramadan, in dem wir uns aktuell befinden. Unser Fastenmonat. Zwar finde ich es schade, dieses Gefühl dieses Jahr nicht miterleben zu können, wenn man sich einen Monat lang durch Verzicht und Gottesdienst dem Glauben mit seinen muslimischen Geschwistern widmet, jedoch bin ich jeden Tag dankbar dafür, als Kranke nicht fasten zu müssen. Ich sollte es nachholen, nach Möglichkeit. Da dies in absehbarer Zeit jedoch eher schwierig erscheint, schenkt mein Gott durch mein Nichtfasten einem anderen Bedürftigen Nahrung und was er sonst noch braucht, weil ich nach Vermögen als Ersatz für mein Fasten jemandem helfen soll, der zum Beispiel Hunger leidet. So erinnere ich mich an die Menschen, die weniger haben und daran, dass ich gut versorgt bin, auch wenn dies nicht durch den eigenen Verzicht geschieht. So ist für alle gesorgt.

Und deshalb liebe ich meine Religion. Selbst mit Burnout.

Salam
Eure KaleidoPhi

Spaß in der Tagesklinik

Heidiho,

Depression kann so viel Spaß machen! Das richtige KaleidoPhi-Bild, wenn Ihr mich fragt. Den ganzen Glitzer (ich liebe Glitzer!) sieht man leider nicht (->Sony Ericsson K610i – still alive!).
Auf ein Neues. Und wenn ich Hunger habe, kratze ich den Kardamom wieder vom Bild.

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Peace
KaleidoPhi

 

Ein See von Traurigkeit – Lernen wir schwimmen

Liebe Leute,

es gibt manchmal einfach auch Tage, die könnte man in die Tonne kloppen. Dysthymie, Double Depression und, wie mir jetzt auch endlich offiziell diagnostiziert wurde, Burnout. Ein nettes Paket.
Wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, ich wäre dabei immer tapfer. Ich versuch es, um anderen Inspiration zu liefern. Und oft gelingt mir das auch.
Über diesen ganzen Mist zu schreiben, ist auch Teil meines persönlichen Kampfes gegen all das, mich nicht unterkriegen zu lassen.

Vielleicht ist es aber auch gerade das, was anderen Mut macht. Mir selbst geht es oft so, wenn ich von Menschen lese, die bis zum Hals in was weiß ich was drinstecken: „Hey, ich bin nicht die einzige, die sich hundeelend fühlt! Danke, lieber Gott! Dann schaff ich es vielleicht auch!“
Wir sind nicht alleine damit. Und wenn wir den Mut aufbringen und das Schweigen in unserem Umfeld und in der Gesellschaft aufbrechen, in der wir immer größerem Leistungsdruck ausgesetzt sind, stellen wir plötzlich fest, dass auch andere nur Menschen sind, dass die Toleranz und das Verständnis für solche Dinge doch oft um einiges größer sind, als wir erwarten würden. Und wir stellen fest: Ich muss nicht schweigen und das alles alleine aushalten. Ich darf das sagen. Auch laut. Ich muss mich nicht verstecken, aus Angst, mir beruflich etwas zu verbauen. Es wird auch so Wege geben, so Gott will. Den Mund aufmachen und sich helfen lassen.

Für all die, die solche Probleme haben und bis jetzt nicht wissen, wie sie sich helfen lassen können:
Teilt Euch mit. Sagt, Ihr habt Depressionen. Geht zum Arzt deswegen. Und wenn der Euch nicht zuhört, geht zum nächsten. Es gibt Tageskliniken, wie ich nun in einer bin. Rehas. Stationäre Aufenthalte. Medikamente. Psychologen. Terminservicestellen und die kassenärztliche Vereinigung. Es gibt Menschen, die Euch sagen werden, dass es nicht Euer persönliches Versagen ist, dass es Euch schlecht geht, sondern dass Ihr eine Krankheit habt, für die Ihr nichts könnt. Eine Krankheit, die man behandeln kann. Manche Menschen kämpfen ein Leben lang damit. Aber es gibt Wege da raus, oder zumindest Wege, zu lernen, damit besser umzugehen, so dass das Leben weitergehen kann. Es gibt Menschen, die das kennen, mit denen Ihr Euch austauschen könnt. Und es gibt Menschen, die Euch helfen, wenn Ihr nur sagt, dass Ihr hie und da Hilfe braucht.

Manchmal kann es auch ziemlich düster aussehen, wenn man um Hilfe ringt, aber nicht weiterkommt. Doch das Ende des Tunnels ist da. Und es ist offen.

Und an dieser Stelle möchte ich allen Menschen danken, die mir in irgendeiner Weise geholfen haben und für mich da sind. Ich bin froh, dass es Euch gibt!

Alles Liebe
Eure KaleidoPhi

1825 – Sicheres Afghanistan

Mir kommt die Galle hoch, wenn ich mitbekomme, dass Menschen mit fadenscheinigen Begründungen auf Grundlage fadenscheiniger Formulierungen in fadenscheinigen Gesetztesregelungen, z.B. der, was ein sicheres Herkunftsland ist (siehe Seite des BAMF), dorthin zurückgeschickt werden, wo kein Mensch von uns auch nur annähernd eine Woche leben möchte.

Und warum? Politisches Kalkül und Heuchelei. Wir sind ja so human in Deutschland und Europa und halten die Menschenrechte hoch. Wunderbar.

Liste der Anschläge in Afghanistan (Daten aus Wikipedia):

31. Mai 2017 Kabul mind. 80 Tote 350 Verletzte
08. März 2017 Kabul 30 Tote 50 Verletzte
11. Februar 2017 Lashkar Gah  8 Tote 19 Verletzte
19. Dezember 2016 Kundus 1 Toter 22 Verletzte
25. November 2016 Jalalabad 6 Tote 27 Verletzte
21. November 2016 Kabul 27 Tote 35 Verletzte
16. November 2016 Kabul 4 Tote 11 Verletzte
12. November 2016 Provinz Parwan 4 Tote 18 Verletzte
10. November 2016 Mazar-e Sharif 8 Tote 120 Verletzte
04. November 2016 Provinz Faryab 12 Tote 30 Verletzte
01. November 2016 Provinz Parwan 7 Tote
12. September 2016 Kandahar 1 Toter 2 Verletzte
05. September 2016 Kabul 24 Tote 90 Verletzte
24. August 2016 auf US-Universität 17 Tote 37 Verletzte
23. Juli 2016 Kabul 80 Tote mind. 231 Verletzte
30. Juni 2016 Kabul 30 Tote 40 Verletzte
19. April 2016 Kabul 64 Tote 340 Verletzte

Also 1825 Menschen, die theoretisch sicher waren.

Herr de Maizière, wir haben ein Problem mit unserer Moral.

ICH BIN DAMIT NICHT EINVERSTANDEN!

KaleidoPhi

positive Vibrations

Also Ihr Lieben,

nachdem der Vietnamkrieg die Initialzündung für eine weltumfassende Friedensbewegung war und Muslime in der Öffentlichkeit doch eher düster wahrgenommen werden (und außerdem weil es keine Kopftuch-Emojis gibt), habe ich mich dazu entschlossen, heute mal etwas Farbe in die Welt der Muslime zu bringen – nur etwas züchtiger (ist kein Problem, oder??). Vielleicht gibt das ja dem einen oder anderen Irregeleiteten einen positiven Anreiz, was man mit unserem Glauben auch noch anfangen könnte.

In dem Sinne: Make love, not war! And integrate youself. 🙂

Eure KaleidoPhi

Make love not warich kenn dich

 

Die Frage nach Heimat

Die Frage, was Heimat für mich bedeutet, ist nicht einfach zu beantworten. Es ist eine Frage, die ich mir sehr oft selbst stelle und die eng mit meiner Lebensgeschichte verknüpft ist. Es ist eine Frage nach dem Ursprung, nach Identität und Zugehörigkeit. Eine Frage der Sprache, des kulturellen Hintergrundes, des Intellekts und des Verstanden-Werdens und Sich-aufgehoben-Fühlens. Und zu guter Letzt auch des Glaubens.

Diese Frage beginnt eigentlich schon in meiner Kindheit. Meine Mutter ist aus Oberbayern, mein Vater aus Hamburg. Ich bin auch in Hamburg geboren, bzw. in Schleswig-Holstein. Aus bayerischer Perspektive betrachtet, reicht die Angabe „Hamburg“ aber in der Regel aus. Meine Mutter war (!) katholisch, mein Vater evangelisch. Da dies von Anfang an Schwierigkeiten bereitet hat (im Jahre 1978 war das zumindest noch so), haben es meine Eltern mit der Religion eher pragmatisch gehandhabt. „Soll das Kind evangelisch oder katholisch getauft werden? Na ja, da wir nun mal in Hamburg sind und die meisten hier evangelisch … das Kind soll keine Benachteiligung erfahren…“ Und so wurde ich eben evangelisch getauft.

Finanziell waren meine Eltern eher schlechter gestellt und so machte sich meine Mutter die Mühe, mir für den Fasching ein Bärenkostüm aus einem Autobezug zu nähen. Ich sollte keinem verraten, wer ich sei und ich war beeindruckt, dass die Kindergärtnerin tatsächlich nicht wusste, wer ich war, als sie mich fragte: „Wer bist du denn?“.
Ich rannte dann all den Prinzessinnen mit meinem Bärengebrüll hinterher, die schreiend vor mir davonliefen.
Heute empfinde ich die Tatsache, dass ich schon damals anders war, als wegweisend für mein gesamtes Leben.

Als ich vier Jahre alt war, zogen meine Familie und ich dann in ein kleines Dorf in Niederbayern, wo ich 10 Jahre wohnen sollte. Das war eine Zeit lang meine Heimat, obwohl ich schon damals erste Schwierigkeiten mit der Zugehörigkeit hatte. Die Tatsache, dass ich jetzt evangelisch getauft war, sollte sich als Grund erweisen, dass ich schon von klein auf ausgegrenzt wurde.

Die anderen Kinder waren miteinander aufgewachsen, kannten sich. Und deshalb durfte ich nicht unbedingt mit den Puppen der anderen spielen, andere Kinder schon. Aber Schwamm drüber, auf die Weise habe ich schnell gelernt, unabhängig zu sein und mich alleine zu beschäftigen. Das war ein Glück für mich. Denn sonst hätte ich meinen späteren Lebensweg wohl nicht ertragen.

Meine oberbayerische Oma, die ich so nicht nennen darf, sondern nur „Großmutti“ – bzw. seit mein kleiner Cousin auf die Welt kam und sie fortan „Mutti“ nannte, nur noch „Mutti“ (später muss man immer erklären, dass die Mama nicht die Mutti ist) – meine Mutti also, amüsierte sich nun über das niederbayerische „aafe“ und „owe“, statt über das zuvor norddeutsch gerollte „Grroßmutti“. Überhaupt ist das Thema Sprache immer wieder ein Grund, warum ich mir selbst die Frage nach Herkunft bzw. Heimat gestellt habe.

Für die Niederbayern waren wir die „Zuagroastn“ („Zugezogenen“ auf Deutsch). Außerdem „de Preißn“. Die waren wir auch für meine Tante in Oberbayern. Dort war es aber eher humorvoll gemeint.

Da ich als kleines Kind schon an den lieben Gott glaubte und in den Sommerferien mit meiner oberbayerischen Oma, pardon Mutti, sonntäglich in die Kirche ging, tat ich das in meiner niederbayerischen Heimat zur Verwunderung meiner Eltern auch. Und zwar allein. Die Kirche war nur ein paar Meter von unserem Haus entfernt und ich konnte von meinem Kinderzimmerfenster auf den Kirchturm blicken. Wie zukunftsträchtig. Meine Eltern ließen mich jedenfalls gewähren. Nun ging ich in die Kirche, bis eine alte Dame aus der Nachbarschaft mich in der Kirche bei der Hostienvergabe angiftete: „Du derfst da ned vor! Du bist evangelisch!“ Das verstand ich zwar nicht und fand es auch irgendwie ungerecht, aber ich folgte und ging fortan nicht mehr in die Kirche – so wie meine Eltern. Stattdessen habe ich lauthals bei Kindern, mit denen ich gelegentlich spielte, behauptet: „Ich glaube nicht an Gott“, wobei mich aber ein schlechtes Gewissen befiel, weil es, wie ich heute weiß, gar nicht stimmte. Ich sollte aber noch lange brauchen, das zu begreifen.

Im Kinderchor der katholischen Gemeinde, der im Pfarrhaus am Ende unserer kleinen Straße zusammenkam, hatte ich ebenfalls ähnlich ernüchternde Erlebnisse. Meine Schwester und ich waren immer mit von der Partie und liebten es, dort zu singen. Viele Kinder kamen eher unregelmäßig. Eines Tages blieben auch meine Schwester und ich dem Kinderchor fern, weil es unsäglich heiß war und wir an diesem Tag das Freibad vorzogen. Wir sollten daraufhin nicht mehr mitsingen dürfen, „weil wir ja sowieso nie da seien.“

In der Schule fühlte ich mich ebenfalls mehr als Außenseiterin. Bis auf eine engere Freundin spielte ich nur sporadisch mal mit diesen, mal mit jenen Kindern, dafür oft mit meiner Schwester „Gummihüpfen“. Oder wir beide waren in der Natur und fingen Fische mit unseren Händen, später mit den Gläsern aus dem Glascontainer, als die Fische auf unsere Schatten-Fang-Strategie nicht mehr hereinfielen.

Mit dem Religionsunterricht in der Schule war es auch eher ungewöhnlich. Da meine Schwester und ich die einzigen waren, die evangelisch waren, gab es in unserem Ort kein Angebot für evangelischen Religionsunterricht. Da ich dafür etwa 10 Kilometer mit dem Bus in die nächste Kleinstadt hätte fahren müssen und meine Eltern das Thema ja sowieso eher praktisch angingen, musste mir meine Mutter zu jedem Schuljahr eine Bestätigung schreiben, dass ich in den katholischen Unterricht dürfe. Das empfand ich immer als etwas Besonderes und war ein wenig stolz auf diese Tatsache. Vielleicht ist bewusste Abgrenzung die Reaktion auf Diskriminierung und Ausgeschlossenwerden.

Ich fand das jedenfalls ganz in Ordnung, so lange, bis ich für die Kommunion mitlernen musste, aber dann kein weißes Kleid tragen durfte und auch die Geldgeschenke der Verwandten zu diesem Anlass ausblieben. Konfirmation hatte ich natürlich auch nicht, weil ich ja in den katholischen Unterricht ging und bis heute eigentlich keine Ahnung vom Protestantismus habe, außer dass die wohl nicht die Jungfrau Maria verehren sollen, Pfarrer heiraten dürfen und auch keine Heiligenbilder verehrt werden.

Im Nachhinein betrachte ich das Ganze als Wegbereitung und Bewahrung vor Glaubensüberzeugungen, die ich heute jedenfalls nicht mehr teilen würde.

Aber auch sprachlich tauchte die Frage nach meiner Herkunft immer wieder auf. So meinte einmal eine Grundschullehrerin zu mir: „Bei dir merkt man, dass du ein richtiger Niederbayer bist.“ Hä?? Ich??? Das hat mich schon gekränkt! „Ich bin kein Niederbayer! I bin a Fiischkopf!“ Irgendwie wurde ich aber das Gefühl nicht los, dass das auch nicht ganz stimmte.

Später, mit 30, habe ich meine norddeutsche Tante und meinen Onkel nach vielen Jahren wieder getroffen, als wir meinen Opa vor seinem Tod noch ein letztes Mal besuchten. Meine Mutter hatte aufgrund einer Krankheit geschwollene Füße und brauchte dringend andere Schuhe. Sie scherzte mit mir: „Geh ma Kramperlfzeig schaun (sinngemäß: „nach Kleinkram schauen“, bzw. „Schaufensterbummeln“)?“ Meine Tante schaute uns ratlos an, weil sie uns nicht verstand. So norddeutsch, wie ich mich oft fühle, bin ich dann wohl doch nicht. Auch wenn ich „Bonsche“ (Bonbons) kenne und auch gerne mal bei Kollegen mit „Moin moin“ und „mach hinne“ kokettiere – die Herkunft letzterer Redewendung wurde mir erst durch einen Hamburger Arbeitskollegen klar, als ich ihn an der Kaffeemaschine scherzhaft mit „mach hinne“ aufforderte, mich doch endlich an das geliebte Heißgetränk zu lassen und er sogleich Heimatgefühle bekam, den Satz aufgriff und nach Mundart fortführte.

Nun, wo gehöre ich denn jetzt eigentlich hin? Hamburg? Nein. Niederbayern? Auch irgendwie nicht. Die meisten Niederbayern hörten an den Feinheiten meines niederbayerischen Dialekts mit nordischem und oberbayerischem Einschlag meine Fremdartigkeit heraus: „Du bist oba ned vo hier!?!“ Nein, bin ich nicht. Und dann fange ich wieder an, meine „Ich bin in Hamburg geboren, meine Mutter…, mein Vater…, aufgewachsen in…“-Schleife abzuspielen. Das hat mich meistens vergnügt, aber irgendwann auch etwas genervt.
Eine Zeit lang bin ich dann dazu übergegangen, mich als Niederbayern-Mischling zu bezeichnen, bzw. nachdem ich elf Jahre in Regensburg und anschließend gute fünf Jahre in Schweinfurt, in Unterfranken gewohnt hatte, als Bayern-Mischling, oder schlicht als „Nomade“. Nachdem ich auch noch ein halbes Jahr in Wuppertal gelebt habe und nun in Rheinland-Pfalz gelandet bin, bezeichne ich mich auch manchmal als „Deutschland-Mischling“.

Ich weiß nicht mehr, besser gesagt, ich wusste eigentlich noch nie, wo ich hingehöre. Überall, wo ich auftauche, amüsieren sich Menschen über meinen Dialekt.
In Niederbayern witzelt die Freundin meiner Mutter: „Wann kimmst denn wieda mal nach Deitschland?“. Ich habe aber nicht das Bedürfnis, jemals wieder dort zu leben. Das Haus, in dem meine Eltern leben, ist zwar schon irgendwie Heimat, mittlerweile. Allerdings habe ich dort nur drei Jahre gewohnt, bevor ich mit 17 ausgezogen und in die größere Kreisstadt umgesiedelt bin.
Meine Berufsausbildung machte ich vier Jahre später in der Oberpfalz, weil das mit der Medienbranche so eine Sache ist. Will ich sesshaft sein, oder einem Beruf nachgehen, der mir liegt? Durch habe ich schon so einiges: eine Ausbildung zur Mediengestalterin Bild und Ton, Kamerafrau, Videoeditorin, Verkäuferin im Einzelhandel, Produktionshelferin, Mediengestalterin im Printbereich, Compositing Artist, eine Fortbildung zur 3D-Visualisiererin, 3D-Grafikdesignerin – soll keiner sagen, ich wäre nicht flexibel. Umgezogen bin ich dafür auch immer wieder.

Aber ich muss sagen, ich habe meinen Beruf schon zu schätzen gelernt. Und ihn gleichzeitig zu verachten. Wie kurzlebig unsere Zeit ist. Was alles von einem gefordert wird. Und was bekommt man dafür? Befristete Verträge, Firmenpleiten, den Verlust von Freundeskreisen und vieles mehr. Jedes Mal wieder von vorne zu beginnen, ist nicht einfach. Und da stellt sich gerade in letzter Zeit die Frage nach Heimat für mich immer öfter. Woran kann ich mich festhalten? Wo finde ich Menschen, die so sind wie ich? Die verstehen, wovon ich rede?

Erschwerend kommt hinzu, dass ich Ende meines 30ten Lebensjahres Muslimin geworden bin. Wer Einsamkeit kennt, sucht nach Antworten. Ich habe Antworten gefunden und bin froh, dass ich seitdem viele Menschen kennengelernt habe, mit denen ich etwas teilen kann. Aber auch hier habe ich festgestellt, dass Freunde nur bis zu einem gewissen Grad Heimat sein können, vor allem, wenn sich größtenteils die Erfahrungen und kulturellen Hintergründe vehement von den eigenen unterscheiden.

Bildung ist auch ein wichtiges Bindeglied. Und da wären wir bei einem weiteren Thema – der Partnerwahl. Ein Partner kann Heimat für einen sein. Was aber, wenn man eine so exotische Zusammensetzung mitbringt, dass man einfach kein Pendant findet? Und wenn man dann doch wider Erwarten genau diesen Menschen findet, der dann aber nach wenigen Monaten an Krebs verstirbt? Wo findet man dann ein Zuhause? Wenn einen Menschen nicht mehr verstehen, weil man trauert und man sich in all der Andersartigkeit alleine fühlt? Dann lande ich wieder bei Gott. Bisher meine einzige Konstante, seit ich Muslimin geworden bin. Und vielleicht ein Stück Heimat, das ich in mir trage, egal wie viele Verluste ich noch verkraften muss. Zumal sowieso alles vergänglich ist.

Und die Menschen fragen einen, wie man sich als Muslimin selbst so einschränken, sich seiner vermeintlichen Freiheit selbst berauben kann. Für mich ist es ein Geschenk.

Die Frage nach Heimat ist für mich essentiell und abschließend kann ich sie nicht beantworten. Ich weiß nur, dass vieles Heimat sein kann. Wenn die Wurzeln des Ursprunges aber einmal gekappt sind, gibt es kein Zurück mehr.

Als Alternative bleibt dann das Abenteuer. Sich Hineinstürzen in das, was man bekommt. Sich den Wind in das Gesicht blasen lassen und den Ruf nach Freiheit verspüren.

Als Kind wollte ich Tiefseetaucherin werden. Bis ich in meiner Logik erkannte, dass es schwierig sein würde, eine Familie mit solch einem Beruf unter einen Hut zu bekommen. Also bin ich keine Tiefseetaucherin geworden. Familie habe ich auch keine bekommen. Dafür jede Menge Abenteuer. Da hat der liebe Gott mein kindliches Gebet nach einem besonderen, nicht langweiligen Leben erhört. Mit viel Schatten- und auch Sonnenseiten. Aber einer Konstanten. Nämlich Gott.

KaleidoPhi
(16.07.16)

Zuversicht

Liebe Menschen,

ich möchte heute etwas mit Euch teilen.

Kennt Ihr das auch? Ihr seid total erschöpft, habt das Gefühl, nichts geht mehr, fühlt Euch im Stich gelassen?
Oder Ihr leidet an Depressionen, habt Dunkel vor Euch und fragt Euch, wie Ihr da je wieder rauskommen sollt und warum Euch keiner hilft?
Die Hürden und Anforderungen, die vor Euch liegen sind derart groß, dass Ihr Euch fragt, wie Ihr das alles bewältigen sollt und vielleicht seid Ihr längst an dem Punkt, wo alles über Euch zusammenbricht.
Ein Euch nahestehender Mensch ist gestorben und es reißt Euch fast das Herz aus der Brust vor Schmerz. Oder jemand oder Ihr seid krank geworden und Euch fehlt die Perspektive. Ihr seid alleine und einsam. Oder könnt einfach keine Freude empfinden. Ihr spürt Euch nicht mehr.

All diesen Mist habe ich in irgendeiner Form durchlebt oder stecke teilweise noch mittendrin. Vieles zieht sich über Jahre. Aufs und Abs. Hell und Dunkel.

Viele geben auf in so einer Situation, nehmen sich das Leben oder denken darüber nach. Solche Gedanken sind normal bei solchen Schwierigkeiten. Wir suchen nach Lösungen und wenn wir keine finden, erscheint uns dies manchmal als eine Alternative. Nur raus aus diesem Alptraum.
Mitmenschen sagen einem, dass es immer Hoffnung gibt und dass das schon wieder wird. Man solle nicht aufgeben, doch selbst zweifelt man daran. „Denen geht es ja nicht so.“ „Vielleicht liegt es ja nur daran, dass andere dann eben ab einem gewissen Punkt Glück haben…“ Aber das ist nicht so. Und deshalb erzähle ich Euch davon, jetzt, in so einer Situation, in der es eben nicht rosig ist.

Es geht aufwärts. Irgendwann. Langsam. Mühsam. Vielleicht muss erst alles zusammenbrechen. Das kann schon sein. Aber selbst in den schwierigsten Momenten seid Ihr nicht allein. Vielen, vielen Menschen geht es genauso wie Euch. Ihr habt nur das Gefühl, dass Ihr damit alleine seid. Die Erde dreht sich weiter. Die Zeit verändert. Und irgendwann kommt auch für Euch die Veränderung. Ich spreche aus Erfahrung. Die Schwierigkeit ist nur, die Geduld nicht zu verlieren. Und wenn wir das tun und zusammenbrechen, stehen wir wieder auf. Vielleicht nicht gleich. Aber irgendwann. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Und dann geht’s wieder weiter. Und die Sonne scheint. Selbst wenn sie hinter Wolken liegt. Es kann nicht immer regnen. Und selbst eine Eiszeit ist nicht für die Ewigkeit. Vergesst das nicht.

Und am Ende unserer Tage – ich glaube, dass da noch was kommt.

Eure KaleidoPhi

Tag der Weltgemeinschaft

12. September 2018

Nachdem die deutsche Bevölkerung, aufgeschreckt durch die ideologische Diskussion über eine Leitkultur und rechtsradikale Tendenzen und deren Strukturen innerhalb der Bevölkerung und der Bundeswehr, die aufkeimende Gefahr eines vierten Reiches rechtzeitig erkannte, entschloss sie sich, zusammen mit der Politik, als Vorreiter in der Weltgeschichte neue Wege einzuschlagen.

Die Gesprächs- und Projektgruppen, die aus den Kundgebungen der Friedens- und Toleranzmärsche im Mai und Juni vergangenen Jahres durch sämtliche deutsche Städte resultierten, erarbeiteten noch vor der Bundestagswahl 2017, zusammen mit allen Bevölkerungsgruppen, unter ihnen die neuen Zuwanderer aus Syrien sowie die türkischstämmige Bevölkerung aller Couleur, zahlreiche Vorschläge für ein konstruktives und verantwortungsvolles Miteinander. Auch Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz bekamen dabei umfassende Aufmerksamkeit. Man entschloss sich, ein ganzheitliches Gesellschaftskonzept zu entwickeln auf Basis gemeinsamer Werte wie Respekt, Toleranz, Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit, Gleichberechtigung und Hilfsbereitschaft.

Die neu gegründete GfdZ-Partei (Gemeinsam für die Zukunft) konnte im Aufwind der neu gewonnenen Zuversicht allen etablierten Parteien den Rang ablaufen und deren Anhänger für sich und die gemeinsamen Ideen gewinnen. Durch die konstruktive Grundhaltung gelang es auch den ehemaligen Anhängern der Linken, der Grünen und der FDP, viele ihrer bereits vorhandenen Vorschläge im Parteiprogramm der GfdZ zu etablieren und den Wählern auf der Suche nach Alternativen echte Optionen zu bieten.

Schon vor der Wahl verkündete Angela Merkel, dass sie sich für die sofortige Einstellung sämtlicher Waffenlieferungen einsetzten würde und stattdessen für Steuergerechtigkeit, um so die finanziellen Defizite auszugleichen. Nach ihrem Ausschluss aus der CDU, eingeleitet durch Hetzkampagnen von Horst Seehofer, Thomas de Maizière, der sich mit den Entwicklungen einer multikulturellen Gesellschaft überfordert sah, sowie  Joachim Herrmann, bekräftigte die neue und alte Bundeskanzlerin ihre am 16.09.2015 geäußerte Haltung, dass sie sich mit einem Land nicht identifizieren könne, in dem man sich dafür entschuldigen müsse, Menschen in Notsituationen ein freundliches Gesicht zu zeigen. Sie erinnerte auch nochmals an die ursprünglich christlichen Werte ihrer Expartei, von denen sie heute nicht mehr viel sehen könne, wohl aber in der multiethnischen sowie multireligiösen Zukunftspartei, die gemeinsame Werte befürwortet und unterschiedlichen Strömungen und Denkweisen Platz gewährt.

So setzte sie sich auch für ein Ende der leidlichen Debatte um das Kopftuch ein, was ihr den Bundesvorsitz der GfdZ sicherte. In ihrer leidenschaftlichen Rede vom 23.09.2016 konnte sie den Großteil der Bevölkerung davon überzeugen, dass es möglich sei, miteinander die Zukunft zu gestalten und dabei Unterschiede zuzulassen und durch Toleranz und Gleichberechtigung sozialen Ungerechtigkeiten entgegenzuwirken und damit ein friedliches und kreatives Miteinander zu fördern.

Ihrem Hinweis auf die „Wir zusammen“-Kampagne des Bundes und die berechtigte Kritik an Arbeitgeberverbänden, die in der Funktion als integratives Grundelement einer pluralistischen Gesellschaft ihrer Verantwortung nicht ausreichend nachkämen, folgte eine Intensivierung der Werbemaßnahmen für dieses Projekt. Medienunternehmen wie die Bildzeitung und Spiegel-Online erkannten ebenfalls die eigene Verantwortung für eine fortschrittliche Gesellschaft und riefen zu einer positiv gestalteten Medienkultur auf.
Nachdem geläuterte Persönlichkeiten wie Uli Hoeneß sowie verschiedene Vertreter der ehemals korrupten Automobil- und Bankenvorstände sich als Werbeträger für ein Umdenken in der Gesellschaft stark machten, öffneten große Teile der Arbeitgeber ihre Tore für ausländische, muslimische und andere diskriminierte Bevölkerungsgruppen. Der Abbau von bürokratischen Hürden sowie ergänzende und berufsbegleitende Schulungsmaßnahmen, auch an den Universitäten, führte zum raschen Beheben des lange beklagten Fachkräftemangels und zu einer erweiterten und verbesserten Versorgungslage, unter anderem im medizinischen oder sozialpolitischen Bereich.
Durch die Zuströme im Ingenieurwesen erklärte sich auch die Automobilbranche bereit, nun konsequent für eine gesündere Zukunft einzutreten. Auch Verbände wie die FIFA, UEFA und der ADAC erkannten die Bedeutung dieser Entwicklungen und verstärkten ihre Bemühungen, korrupte Strukturen aufzulösen.

Wirtschaftsministerin Ursula von der Leyen, die im vorigen Jahr schon im Verteidigungswesen aufräumte, sicherte sich durch ihr überzeugendes Handeln das Vertrauen der Bevölkerung und deren politischen Vertreter. So konnte sie Arbeitgeber schnell davon überzeugen, dass unendliche Gewinnmaximierung eine Utopie sei und man sich stattdessen auf eine nachhaltige, sozialverantwortliche Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Kultur besinnen sollte. Dies hatte zur Folge, dass nun auch verdienstschwächere Personengruppen mehr zum Bruttoinlandsprodukt beitragen und die Sozialkassen entlastet werden. Der schnelle Wirtschafts- und Sozialaufschwung Deutschlands und die Begeisterung in der Bevölkerung, die auch durch Deutsch-Zuwanderer-Patenschaften einen echten Gemeinschaftsgeist hervorbrachten, animierten auch andere Länder, diesem Beispiel zu folgen.
Präsident Trump entschuldigte sich bei der Weltbevölkerung für seine gesellschaftsspaltenden Ansätze. Durch den neuen Ruck in der Weltgemeinschaft gelang es den Vereinten Nationen, diktatorische Kräfte wie Assad und Kim Jong-un zu entmachten und gerechtere Vertreter der Zivilbevölkerung zu etablieren.

In Deutschland erhielt Christian Wulff  am vergangenen Freitag durch Papst Franziskus den Friedensnobelpreis für seine Vordenkerrolle und seinen Vorschlag, dem unheilvollen Datum der Anschläge vom 11.09.2001 eine Vision von Zukunft folgen zu lassen und den 12. September zum internationalen Feiertag der Weltgemeinschaft zu machen. Weltweit rief dieser Vorstoß Begeisterungsstürme hervor. Viele Vertreter der deutschen Bevölkerung schüttelten Herrn Wulff die Hand und auch syrische, irakische und afghanische Frauen und Männer verneigten sich unter Applaus respektvoll mit Ihrer Hand auf dem Herzen vor Herrn Wulff, Angela Merkel und all denen, die sich so für ein gemeinsames Miteinander engagieren.

Auf den Tag der Weltgemeinschaft.

Eure KaleidoPhi

Joe – eine Kurzgeschichte oder 101 Tage und die Hoffnung auf mehr

Wenn ich darüber nachdenke, was ich dir zum Geburtstag schenke, wohl wissend, dass es vielleicht dein letzter ist, frage ich mich – was kannst du mitnehmen? Was bleibt?

Es bleiben die Dinge des Herzens.

Deshalb möchte ich dir sagen, was ich alles an dir liebe, woran ich Tag und Nacht denke, was ich nicht mehr vergessen kann und was ich vermissen würde, wenn du nicht mehr da wärst.

***

„Hallo Isabel“ – diese Worte, wie oft hab ich sie gehört? Und jedes Mal hüpft mein Herz vor Freude und vor Entzücken über dieses leichte Kratzen in deiner Stimme, mit dem frechen, präsenten, lebendigen Klang, der von deiner hohen Aufmerksamkeit zeugt und der mein Herz jedes Mal trifft, wenn ich diese Worte höre.

„Hallo Isabel“ – diese Worte, die einen direkten Draht in mein Herz zu haben scheinen.

***

Das lässt mich an deinen Blick denken. Ein klarer, prüfender, fast stechender Blick, mit dem du mich auf der Fahrt von Duisburg nach Oberhausen angesehen, untersucht hast, mit freundlichem Interesse. Ich konnte ihm nicht ausweichen, während er in meine Seele zu blicken schien, jede Regung wahrnehmend. Ich fühlte mich nackt vor diesem Blick, war nervös und freute mich doch, weil du mir sympathisch warst, mich eigentümlich angezogen hast. Dieser Ausdruck in deinen Augen hat mich gefesselt.

Du warst mir vertraut – am Telefon. Plötzlich stand da vor mir dieser fremde Mann mit etwas altmodisch anmutender Kleidung – von der Ferne fröhlich mit seiner Schiebermütze winkend – ein feiner Herr, ein Sir oder ein Lord vielleicht…Schotte – deutscher…mit Manieren, diskret und forsch in einem, außerordentlich höflich und doch manchmal so ruppig.

Wie war das nochmal mit dieser einen E-Mail, als du dich dafür entschuldigt hast, für deine Grobheit – vielleicht nichtsahnend, mit welchem Gemüt du es zu tun hast. Du hast dich entschuldigt mit so einer Ernsthaftigkeit, die mich überrascht, getroffen hat. Warum war dir so viel daran gelegen, dass Alles zwischen uns gut sei?

Zuvor dachte ich, dies sei das Ende unserer kurzen Freundschaft – doch alles Negative war ausgelöscht, weggewischt.

Und dann ruhte dieser Blick auf mir, der Alles über mich wissen wollte. Das war schmeichelhaft.

Was ist das mit diesem Mann? Warum bin ich hier? Werden wir uns vertragen? Wenn nicht – wie soll ich das Wochenende überstehen?

Aber Alles fing an, sich harmonisch anzufühlen. Wann? Das weiß ich nicht mehr. In Oberhausen am Busbahnhof? Da ließ er nach, dieser Blick. Und Wohlgefühl, Vertrautheit stellten sich langsam ein. Ich glaube mich zu erinnern, während der Zug- und der Busfahrt schon die erste freudige Erregtheit empfunden zu haben. Entzücken. Faszination. Interesse. Ich entspannte mich. Langsam.

Und dann saßen wir da. Gemeinsam. An deinem Küchentisch. Und lernten uns langsam kennen.

„Gute Nacht, Isabel“. Ich musste lächeln.

***

Da war er wieder. Dieser auf mich gerichtete Blick. Im Sealife. Unter dem Rochen. „Danke“ – konnte ich unter Tränen nur sagen. Es hatte mich so berührt – diese Szene. Ein Moment, auf den ich mein Leben lang gewartet hatte – und doch traf er mich so unvorbereitet. Hätte ich das ahnen können? Dieses vollkommene Erlebnis, bei dem die Gefühle plötzlich wie aus einer verborgenen Quelle nach oben drängten, mit einer Kraft, die mich schier überwältigte.

Dieser Ausdruck in deinen Augen! Erstaunen war darin. Du wolltest mich küssen, habe ich später erfahren.

Für eine Weile verschwand ich in dieser verborgenen Welt unter dem Meer – alleine im Wasser. Im Kosmos. Die Welt um mich verschwand. Nur ab und zu – Joe. – Menschen. – Joe. Die Bank. – Die Zeit. – wieder Stille.

Und doch – dein Blick blieb haften. Er hat sich in mein Herz eingebrannt. Kostbarkeiten eines Menschenlebens, die uns als Erinnerung ein Leben lang begleiten.

Wie gerne ich diesen Moment festgehalten hätte! Und noch etwas hinzugefügt. Diesen Kuss, den du in deinem Herzen geheim gehalten hast. Wie sehr ich dich dafür schätze! Und doch – der Wunsch, es wäre anders gewesen. Dass es uns erlaubt gewesen wäre.

Ich hätte gerne deine Hände in meinen gehalten. Und dann ein Kuss. Ob wir ihn genossen hätten? Ob unsere Küsse die gleiche Sprache sprechen? Wie oft ich mich das wohl frage?

***

„Komm rüber“ oder war es „Guten Morgen“? „Gott, bist du süß, so verschlafen“. So oder ähnlich, deine Begrüßung am Morgen. Am ersten? Am zweiten? Wie gern wollte ich bei dir sein. Neben dir auf der Couch. – Nein. In deinen Armen. – Aber ich darf nicht. „Isabel, eigentlich ist das nicht richtig, was du hier machst.“ Die ersten Fehler. Die ersten Nachlässigkeiten. Wie soll ich dem entkommen? Will ich doch so sehr deine Nähe, diesen Moment spüren. So vertraut. Etwas verliebt. Wie natürlich es sich anfühlt mit dir.

***

Lawrence von Arabien. Wieviel du gequatscht hast! Wie spät es war und wie müde wir beide waren! Ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Nähe. Und dieses Gespräch, was mich wieder hat munter werden lassen. Über Gott. Wie gerne ich mit dir über Gott spreche! Doch immer wieder die Erkenntnis – die Distanz klafft zwischen uns wie ein Graben, wenn mir die Unterschiede zwischen unseren Ansichten bewusst werden. Gott – lass ihn bitte glauben.

Meine Aufgabe ist erfüllt. Ich habe dir alles gesagt, was du wissen musst. Fang an zu glauben. Bete! Öffne dein Herz.

Und dann, beim Abschied – deine Tränen! Deine Umarmung! „Ich werde ihm einen Luftkuss schicken“. Ich will dich verzaubern. Und trösten. Wieso tue ich das? Und wieder habe ich dich fasziniert. Dieser Ausdruck in deinem Gesicht, mit dem du vor Überraschung zurückgewichen bist!

Du hast mich schon vorher umarmt. In Duisburg am Bahnhof. Das war mir eigentlich gar nicht recht. Aber da hast du nicht mit dir reden lassen. Heimlich habe ich mich darüber auch gefreut. Wie soll ich die Distanz je zu dir aufrechterhalten? Gott möge mir verzeihen.

***

„Kein Schlaganfall“ – so hallten mir diese düsteren Worte in meinem Kopf nach. „Aphasie“. Ein Schatten. Ein zweiter. Der erste verfolgt uns fast unbemerkt. Aber dieser – wie groß er ist! Ich kann dich wiedersehen. Aber sprechen kann ich nicht mehr mit dir wie vorher. Gott sei Dank durfte ich in diesem Moment der Schwäche bei dir sein. Und doch hat mich dieses Ereignis ausgeschlossen aus deinem Leben. Teilweise. Für einen Moment.

Wie sehr ich dich doch vermisse. Chance und Leid zugleich. Ich kann dir helfen. Aber meine Sehnsucht nach dir ist doch so groß. Es macht mich traurig. Gott, hilf uns. Mach ihn wieder gesund. Bitte.

Gott sei Dank können wir bald wieder miteinander sprechen! Doch trügerisch. Der Schatten holt uns wieder ein, noch bevor der Regenbogen verblasst ist. Der Krebs. Deine Schwäche. Bald lässt es sich nicht mehr verdrängen.

„Ich würde dich in Allem unterstützen. Ich würde sogar die Gebetszeiten auswendig lernen“.

„Dann gibt es eben keinen Alkohol in unserer Wohnung. Das legen wir eben alles fest.“

„Ich denke, es ist eine Chance“.

„Es fühlt sich an, als wärst du meine Frau“.

„Mir ist klar, dass wir beide eine Beziehung nur im Rahmen einer Ehe führen würden“.

Wie? Über sowas denkst du tatsächlich nach? Wieso? Joe? Wieso habe ich so eine Bedeutung für dich? Mir fehlen die Worte für das, was du mit solchen und anderen Worten bei mir bewegst. Ist es Liebe? Dankbarkeit? Fassungslosigkeit? Wie kann das sein? Hätte ich doch Worte, die die Tiefe ausdrücken könnten, in der du mein Herz damit triffst! Du bist so außergewöhnlich! Ich möchte „ja“ sagen. Ja! Mach mich zu deiner Frau! Ja! Sei mein Mann! Für den Rest meines Lebens! Gott, weißt du eigentlich was du da tust, Joe?! Weißt du überhaupt, wie sehr sich mein ganzes Sein nach etwas wie diesem verzehrt hat? Mein ganzes Leben, seitdem man mich als Frau bezeichnen kann?

***

Wie du mich ansiehst über Skype! Diese Ausstrahlung! Diese Art. Dein Körper leicht geneigt. Den Kopf aufgestützt. Ein wissender Blick. Du hast das Leben gesehen. Ob du dich schon damit abgefunden hast, dass uns trennt, was uns trennt? Hoffst du manchmal? Oder ist dir das zu  anstrengend? Bist du zu müde dafür? Ich fühle mich wie ein Kind. Naive Träume? Erkennst du vor mir meine Kindlichkeit? Prinzessinnen. Einhörner. Eine Ehe mit Joe? Berührt dich das überhaupt? Oder hast du zu viel gesehen? Ich habe Angst. Gebe ich mir hier die Blöße? Nimmst du diese Gefühle von mir ernst? Nehme ich sie selbst überhaupt ernst?

Warum kehren meine Gedanken immer wieder dorthin zurück? Wenn es alles Quatsch ist – warum kann ich es dann nicht vergessen? Joy between my tears? Vielleicht. Aber ich habe doch Gott! Gott schenkt meinem Herzen Frieden. Du nicht! Du wühlst mich auf. Ich drehe mich in diesem Karussell. Mir ist schwindlig. Gott, hilf mir. Wie komme ich da wieder raus? Mit Krebs? Mein Leben wäre nicht mehr das gleiche wie davor. Die Zeit, bevor ich Joe kannte. Die Zeit, als ich Joe getroffen habe. Die Zeit danach? Ungleich schwerer. Wie soll ich einen Menschen wie dich je wieder vergessen? Ich werde dich nicht mehr vergessen. Insha’allah natürlich. Gott bewahre mich vor Alzheimer. Wie soll dieses ganze Leben je wieder in Ordnung kommen? Gott, hilf uns. Lass deine Wunder geschehen. Bitte. Deine Engel. Du hast doch einen geschickt! Joe betet doch jetzt! Wo führst du uns hin? Gott, bitte hab Erbarmen mit uns.

„Keine Maske, Isabel.“

Gestern habe ich dir gesagt, dass ich dich liebe. Nicht am Telefon. In meinem Bett. Du hast es nicht gehört.

Ich vermisse dich, Joe. Das habe ich dir geschrieben. Kann ich meinen Gefühlen überhaupt trauen? Sind es meine Hormone? Das könnte Einiges erklären.

Später bin ich böse auf dich. Warum? Weil ich das Gefühl habe, dass wir eine Beziehung haben – aber du bist nicht da. Ich fühle mich allein. Wo bist du, Joe?

Du bist ein guter Mensch. Und du freust dich, wenn ich komme. Insha’allah. Wegen der Arbeit. Weil ich für dich da sein möchte. Würdest du mich verlassen? Wovon träume ich eigentlich! Es fühlt sich längst nach Kampf an. Wir sind beide Opfer. Hab ich dich nicht gern? Hast du mich nicht gern? Warum dürfen wir nicht glücklich sein? Zusammen. Und gesund. Ich hab dich lieb, Joe. Bitte geh nicht. Heute war mein Gebet voller Tränen. Die Ernsthaftigkeit unserer Lage ist mir heute bewusst geworden. Unseres Lebens. Wir haben nur diese eine Chance. Der Tod holt uns ein. Uns alle. Wieso habe ich mich nicht schon vorher auf Gott besonnen? Wer soll mir sonst helfen? Uns? Ich flehe Gott für ein Wunder an. Nein. Für viele. Denn mit einem Wunder ist es nicht getan. Gott möge sich unser erbarmen. Ich lasse ihn nicht los.

Und nun? Das erste Wunder ist geschehen. Alhamdulillah! Wenn Gott will, wird alles gut.

Für Dich, Joe!

19.09.15

Danke für die gemeinsame Zeit.
Gott hab Dich selig.

KaleidoPhi

Liebesbrief an meinen Herrn

Mein Herr, all meine Liebe, all mein Suchen gehört Dir. Dir allein. Nichts kann mir die Freude schenken, nichts mit Deinem Glanz mein Herz erhellen wie Dein sanfter Hauch an meiner Wange, wenn Freunde sterben oder verloren gehen, wenn die Sonne untergeht und Traurigkeit sich meines Herzens bemächtigt. Wenn das Gesicht fehlt, das meine Worte vernimmt, der Daumen, der meine Tränen wegwischt. Wem gilt all mein Rufen, mein Sehnen, mein Klagen? Suche ich doch nur Dich, den Frieden, den Du mir schenkst. Die Tautropfen auf meiner Seele. Wo finde ich diese Freude außer bei Dir? Und in all Deiner großen Güte und unendlichen Liebe, die Du mir schenkst, zeigst Du mir die Vergänglichkeit, den Schatten jeder Freude, nur damit mein Herz an Nichtiges sich nicht klammert, sich nicht an einem losen Aste festhält. Meine gepeinigte Seele kniet sich vor Dir nieder und ruft: Danke! Danke Dir, Gott! Für das Weinen meiner Seele, welches mein Herz mit Frieden füllt, durch die Nähe zu Dir. Ich danke Dir und bitte Dich um Verzeihung, weil Deine Liebe, Deine Wohltaten ungleich größer zu meinem Dank sind, den ich Dir schulde. Du bist mein Herr, mein Gott und jeder soll von Deiner Schönheit wissen, von Deiner Wahrhaftigkeit. Jedes Lied, jedes Wort, welches uns zu Tränen rührt, jedes Bild, das uns im Herzen trifft, jedes Leuchten in unseren Augen ist nur ein kleiner, sanfter Schatten von dem, was Du bist. Ich danke Dir für Deine Nähe, für das, was Du bist und dafür, dass es Dich gibt.

KaleidoPhi
(06.03.16)

Die Hoffnung

Vor 16 Jahren alles begann
Ein Tag, sich jeder erinnern kann
Gesellschaft gespalten durch Türme, die zwei
Menschen seither oft einerlei

Hass projiziert auf Groß und Klein
Auf die, die nicht essen das Fleisch vom Schwein
Unschuldige Leute, die haben gern
Ihren Gott und die Menschen, ob nah oder fern
Die Liebe, das Schöne, die gute Tat
So geht sie auf, die schlechte Saat

Ohnmächtig gegen diesen Hohn
Getrieben die Jungen in die Arme schon
Von Rattenfängern, getarnt, „Komm her mein Sohn“
„Wir zeigen es diesen“, im Land des Mohn
Kamen neue Irre bald hinzu
Gelockt in die Ferne, „Wo ich was tu!“

Voll Unverständnis für die eigene Religion
Geht das so, jetzt lange schon
Die Herzen und die Worte hart
Wo früher ein Zusammen ward

Wo enden diese Wege nur?
Es kommt mir oft vergeblich vor
All das Bemüh’n, das gute Wort
All die Versuche in einem fort

Bleibt Glauben mir als einz’ges nun
Was sollte ich auch sonst noch tun?
Die Ohren taub für gute Worte
Gibt es Tod an jedem Orte
Die Ungerechtigkeit sich mehrt
Der Mensch schon keinen großen Wert

Kehr’n wir zurück zu früh’ren Zeiten
Als Hass und Mord konnt‘ sich verbreiten
So bet‘ ich nun zu Dir Allah
Der immer voller Liebe war

KaleidoPhi

Kugel im Kopf

Ein Bild geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Genauso wie die Kugel im Schädel des 13-jährigen Jungen aus Syrien darauf. Der Sohn einer Freundin meiner Freundin. Sie zeigte mir das Röntgenbild des verbliebenen Kindes. Andere sind schon tot.

In dem Moment ist mir bewusst geworden, dass wir keine Ahnung haben, womit wir es da zu tun haben. Wir hören vom Krieg, von Parteien, von Anschlägen, Bunkern, die in die Luft gejagt werden und von Seringas. Und ab und zu sehen wir auch Kinder, die eilig aus der Gefahrenzone geschleppt werden, oft in vergeblicher Hoffnung, ihnen helfen zu können. Wir sehen durchlöcherte Wände, Menschen mit Waffen. Von Booten Gerettete und die, die ertrinken.
Und trotzdem begreifen wir gar nicht, was da passiert.

Dass normale Menschen in ihren Häusern sitzen, Ruinen, vielleicht beim Tee, und plötzlich fällt einer um, weil sich eine Kugel verirrt hat. Es trifft nicht nur die „Bösen“, die, die sich gegenseitig bekämpfen. Es trifft so ziemlich jeden, ob Groß oder Klein. Keine Einzelfälle, „Kollateralschäden“, sondern es herrscht dort Krieg.

Was mir auffällt ist, dass wir aufschreien, wenn Kulturdenkmäler zerstört werden, die freilich einen großen Verlust darstellen. Aber warum schreien wir nicht zehn mal so laut auf, wenn Menschen und Kinder getötet werden? Weil wir es gewohnt sind? Weil es uns nicht berührt? „Kennen wir die?“
„Aber die Unesco-Welterbestätten, die gehen uns alle an.“ Die mögen wir ja auch. Die syrischen Leute, die sich eh nur die Köpfe gegenseitig einschlagen, nicht. Oder? Ist es so?

Was mir außerdem auffällt ist, dass ich von meinen syrischen, ägyptischen und türkischen Freunden höre, dass hie und da etwas passiert, ein Anschlag, wo so und so viel Kinder ums Leben gekommen sind. Bei uns hört man davon nichts. Ich wundere mich. Warum denn nicht? Warum sprechen wir nicht von den Kindern? Von den Alten? Müttern und Vätern? Warum geben wir ihnen kein Gesicht? Damit wir uns weiter einreden können, dass sich dort sowieso nur alle gegenseitig abschlachten? „Sollen sie doch. Was geht uns das an? Ist eh nicht unser Ding, diese Kultur, diese Leute.“ Denken wir das? Also, ich nicht. Und auch viele meiner Freunde und Bekannten nicht. Um Gottes Willen! Und es gibt bestimmt viele Menschen, die wirklich Anteil nehmen.

Aber wenn das alle tun, warum deuten wir mit dem Finger auf die, die sich in Asylunterkünften gegenseitig anfeinden? Jeder amerikanische Soldat, der vom Krieg traumatisiert in seine Heimat zurückkehrt und nie wieder der gleiche wird, bekommt mehr Verständnis dafür. „Dem muss man doch helfen!“
Diesen Menschen in Syrien und anderswo auch! Sie sind traumatisiert! Das ist nicht nur ein Wort. Es hat konkrete Folgen. Die brauchen Hilfe. Umfassend. Vielleicht ein Leben lang. Und die Kinder, die nichts anderes kennen als Krieg, die auch. Und wir schreien sie an und rufen: „Integrier dich! Wir helfen dir schließlich. Pass dich an, oder geh am besten gleich wieder dahin, wo du hergekommen bist.“

Wo bleibt die Menschlichkeit?

Der kleine Junge mit der Kugel im Kopf, der betet, während er, deutlich eingeschränkt, um sein Leben kämpft: „Allah, gib mir Licht in mein Grab.“ Er betet ohne Unterlass. Dann geht es ihm ein paar Tage besser und nun liegt er im Koma. Die Kugel darf nicht raus, weil er das nicht überlebt. Ich bete für ihn und für seine Familie und für alle, die solches Leid erfahren. Und ich hoffe und wünsche, dass diese Menschen, die solche Not erleiden, so viel Hilfe und Unterstützung bekommen, wie sie nur kriegen können. Ich hoffe, dass mein Land, auf das ich ein einziges Mal richtig stolz war – als all die Flüchtlinge mit Teddybären und Süßigkeiten, Essen und Trinken, Tüten voller Kleidung und vor allem mit einem empfangen wurden: Liebe und Mitgefühl – dass dieses Land dahin zurückkehrt und den Menschen hilft, wo es nur kann und Verständnis, Nachsicht und Geduld aufbringt für die Dinge, die nicht so gut laufen. Das braucht Zeit. Diese Zeit haben viele dieser Menschen aber nicht. Helfen wir ihnen. Amin.

Eure KaleidoPhi

Meine neue Freundin

Seit heute habe ich eine neue Freundin. Das heißt, eigentlich kenne ich sie schon lange. Nur habe ich heute erst ihren Namen erfahren: „Dysthymische Depression“. Soso. Für die, die nicht wissen, was das heißt – ich wusste es bis eben auch nicht – es bedeutet in etwa „chronische Depression“. Nicht so schlimm in den Symptomen, aber nicht minder schwerwiegend im doppelten Sinne. Ein Lebensgefühl sozusagen. Das Ding hat also einen Namen.

Was fange ich jetzt damit an? Im Grunde ist es keine Überraschung für mich. „Du bist ein traurig Frau“ hat ein tunesischer Freund mal zu mir gesagt. Dem hatte ich nichts entgegenzusetzen. Soll nicht heißen, dass ich keinen Humor hätte. Im Gegenteil. Dass mir der Schalk im Nacken sitzt, wird mir immer wieder attestiert. Und „Kichererbse“ taucht schon mal als Spitzname auf.
Vielleicht kommt aber daher die schwarze Einfärbung meiner Scherzchen, jedoch – Zyniker bin ich nicht. Zumindest nicht im Normalfall.

Nun, vielleicht macht es mich ein Stückchen reflektierter. Und vielleicht kann ich daher auch ein bißchen schreiben, selbst wenn es keine große Kunst ist. Es macht mich vielleicht auch mitfühlender. Mitgefühl habe ich so ziemlich mit jedem und allem. Da macht auch eine Mücke nicht die Ausnahme, deren angeborener Hang zum Parasitismus mich dazu bringt, ihrem Leben ein frühzeitiges Ende zu bescheren. Sie tut mir dann auch leid. Kann ja nichts dafür, die Arme. Wenn ich eine Mücke wär, würd ich auch auf Blut stehen.
Abgesehen von solchen Skurrilitäten ist meine Empathie aber vielleicht doch etwas, was manchmal Sinnvolles hervorbringt. Nicht nur für meine Mitmenschen, sondern auch für mich.

Und diese Schwermütigkeit – zu trübsinnig für Sie? Wenn Sie Spaß haben wollen, wenden Sie sich besser an Michael Mittermeier. (Der mag überholt sein, ist aber einer der letzten Vertreter seiner Zunft, die ich aktiv mitbekommen habe, bis es mir dann irgendwann zu blöd wurde mit diesen Komikern.) – Meine Schwermut jedenfalls erinnert mich daran, dass es eben auch etwas anderes als nur Zuckerschlecken gibt. Und das wiederum ist etwas, was ich in meinem Glauben ganz gut gebrauchen kann.
Bei uns Muslimen gibt es ja auch gute und schlechte Taten. Die guten bringen quasi Pluspunkte, die schlechten erhöhen das Minuskonto. Pluspunkte zählen zehnfach, wenn ich da jetzt nichts verwechsle. Und Krankheiten oder andere Dinge, die einem schwerfallen oder vielleicht sogar Schaden bringen, zählen wie gute Taten, wenn wir dankbar dafür sind. Ich bin dankbar dafür. Nicht immer. Aber so insgesamt. Ich wär keine Muslimin, wenn mein Leben immer Highlife gewesen wäre. Und dann würde ich mich vielleicht auch weniger für andere interessieren und für ihr Wohlbefinden. Also sag ich einmal: Danke Gott, für meine dysthymische Depression.

Außerdem bin ich ein wenig stolz auf mich. Nicht, weil ich heute ein tolles neues Wort gelernt habe, sondern weil ich mittlerweile lebenserprobt genug bin, um mich nicht gleich von der Brücke zu stürzen und meine Wunderwaffe „Humor“ zur Offensive auffahre, mich nicht verstecke und einfach riskiere, dass mir das Leben damit vielleicht Überraschungen bringt. Depressiver Optimismus sozusagen. Da habe ich auch ein wenig von einem Freund gelernt, der ein ganz toller Mensch ist und der ebenfalls gelernt hat, den Tragödien dieses Lebens mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen. „Sabr“ – vereinfacht „Geduld“ sagen wir Muslime dazu.
Das alles schränkt mich ein. Klar. Ganz aktuell sogar ziemlich. Aber es bringt auch Chancen mit sich. Chance auf Veränderung. Ist zwar keine neue Weisheit, dass das Schicksal sich manchmal massiv auf das weitere Leben auswirkt, jedoch bleibt es weiterhin richtig. Und so bringt mir meine neue Freundin vielleicht viel Gutes und macht anderen möglicherweise Mut in Situationen, in denen sie selbst kein Licht mehr sehen. Es geht immer weiter.

Eure KaleidoPhi

Die kleine gute Tat

Heute möchte ich mich bedanken. Für all die Liebe und Hilfe, die mir Menschen, die mir nahestehen, entgegenbringen. Für all die kleinen und großen Gesten, Taten und Worte, durch die ich Unterstützung erfahren darf, wenn ich nicht mehr weiter weiß oder mir die Kraft fehlt.

Ihr wisst nicht, wie sehr diese kleinen Taten helfen. Der Freund, der einem eine Liste mit Ärzten sendet, wenn man es selbst nicht mehr schafft. Die Freundin, die ihre Kinder mit Essen vorbeischickt – es wär ja nur ein Teller mehr. Der Zuspruch, der von Euch kommt, wenn ich ihn brauche. Euer offenes Ohr. Dass Ihr einfach da seid. Ich danke Euch dafür.

Und ich danke meinen Eltern, dass sie immer für mich da sind, egal wie schwer es ihnen mit mir manchmal fallen mag. Ich danke meinen Freunden, die sich immer Gedanken darüber machen, ob es mir gut geht. Und ich danke all denen, die ein freundliches Wort über haben für jedermann. Denn Ihr macht unsere Welt ein Stückchen besser.

Auch Ihr seid nicht vergessen. Der Mann, den ich vor einigen Jahren in den Nachrichten gesehen habe. Weinend am Strand. Ein Bootsflüchtling. So oft frage ich mich, wie es ihm heute geht. Der Mann aus der Dokumentation „Human“, der schmerzlich über seine ersten Erfahrungen mit menschlicher Liebe berichtet. Yeonmi Park, die durch die Gobi-Wüste floh und dachte, dass niemand außer den Sternen bei ihr sei. Deniz Yücel, der mich noch aus der Ferne daran erinnert, dass es Menschen gibt, die mehr zu tragen haben als ich, und mir so Mut macht. Eine indische Frau, die derart leidet, dass sie sich noch nicht einmal Gedanken darüber macht, wieso sie sich etwas wünschen sollte. Freunde und Bekannte, die sich tapfer durch ihr Leben schlagen, ganz gleich mit welchem Los. Die Flüchtlinge, die leiden und sterben. Die Menschen, die Kinder, die sich in Not befinden. Die Bettler und Flaschensammler auf unseren Straßen. Es gibt so viele Menschen, an die ich denke. Und Ihr da draußen, die Ihr denkt, Ihr wärt allein – auch wenn wir Euch nicht helfen können, aber im Herzen sind wir bei Euch. Niemand ist vergessen. Doch wir sind alle nur Menschen. Wir können nicht alle retten. Doch was uns bleibt, ist die kleine gute Tat, die vielleicht eine ganz große ist. Und für die, die beten wollen – das Gebet.

Eure KaleidoPhi

Warum „Ihr“ und „wir“?

Gestern erreichte mich als Reaktion auf meinen letzten Beitrag eine Nachricht einer sehr lieben, muslimischen Freundin aus Ägypten, warum es denn „Ihr“ und „wir“ gäbe in meinem Beitrag, dass das die Existenz von zwei Parteien kennzeichnen würde und dass die Tatsache, dass wir unterschiedlich sind, nicht bedeuten müsse, dass es Hass geben müsste, sondern dass wir diese Unterschiede gegenseitig respektieren müssten.

Das hat mich erst einmal getroffen, wollte ich doch etwas Gutes tun und Menschen, die sich von Muslimen terrorisiert fühlen, die Angst nehmen und den Muslimen, die sich eben zum großen Teil nicht zu solchen Verrückten zählen, eine Stimme geben, weil immer wieder kritisiert wird, wir Muslime würden uns nicht genügend von solchen Gräueltaten distanzieren.
Habe ich mit dem Versuch gerade zu einer Spaltung beigetragen? Warum habe ich das Gefühl, dass ich „Ihr“ und „wir“ sagen muss, dass es tatsächlich so ist, dass es zumindest in Teilen diese Trennung in unserer Gesellschaft gibt?
Meine Freundin hat Recht. Das ist Blödsinn. „Wir“, wir alle sind über diese fürchterlichen Entwicklungen, die Aggressionen von Menschen, die überwiegend aus muslimischen Kreisen zu kommen scheinen, erschüttert. Wir alle sind bestürzt, wenn sich Selbstmordattentäter im Namen einer Religion, in dem Fall im Namen des Islams, in die Luft sprengen und möglichst viele Menschen töten und Ihnen Leid zufügen. Wir alle sind betroffen, Christen und Muslime, Gläubige und Atheisten.

Was machen wir falsch? Wir alle machen Fehler. Auch ich. Muslime machen Fehler. Die deutsche Gesellschaft macht Fehler. Europa macht Fehler. Wir alle zusammen, mehr als ich mit meinem begrenzten Verständnis und fehlenden fundierten Wissen hier benennen und haltbar begründen könnte. Das können andere besser.

Aber ich möchte hier ein paar Fehler beim Namen nennen und in die Welt rufen, damit wir die Chance haben, etwas daran zu ändern.

Ich fange bei den Muslimen an, weil sie hier gemeinhin als der Aggressor wahrgenommen werden. Es stimmt. Wir geben Dinge von uns, bei denen sich jedem halbwegs vernünftigen und gebildeten Menschen die Haare sträuben. Wie oft schäme ich mich in Grund und Boden für all die Beispiele, die wir Muslime selbst liefern, um bestehende Vorurteile zu untermauern. Die Dokumentation über Europas Muslime auf Arte gestern, mit Nazan Gökdemir und Hamed Abdel-Samad, hat das teilweise wieder sehr anschaulich gezeigt. Wir reflektieren oft nicht, reagieren mit Abwehr, statt uns zu fragen, was wir falsch machen und was wir besser machen können. Wo unser heutiges Verständnis des Islams vielleicht Fehler aufweist. Ich glaube nicht, dass es der Islam per se ist. Aber ich glaube, dass uns heute oft selbst die Antworten fehlen, weil es wenig vernünftige Ansprechpartner für uns gibt. Wir schotten uns oft ab. Sagen wir doch, dass was falsch läuft! Das tut es ganz offensichtlich.

Aber, um nun auf die andere Seite der Medaille zu blicken, es ist auch falsch zu meinen, dass der Islam an sich das Problem wäre, denn es gibt viele vernünftige Beispiele dafür, die wir alle allein schon aus der Historie kennen, dass es auch ganz anders geht. Und auch hier, in unserer Gesellschaft finden sich viele Beispiele. Man muss sie nur sehen wollen.

Was können wir tun? Fördert die religiöse Erziehung, statt sie zu verdammen. Bildet Gelehrte aus, die sowohl weltliches Wissen haben, als auch religiöses Knowhow. Und zwar in unserer Sprache und aus unserer Kultur. Denn Islam ist in jeder Kultur möglich. Und damit.
Die Antworten müssen nicht immer gesellschaftskonform sein. Z.B. muss die Tatsache, dass sich Muslime unter Umständen eher traditionell orientieren nicht bedeuten, dass dieses Lebensmodell nicht genauso seine Berechtigung hat. Und wenn sich eine Frau verhüllt, kann das ihre ganz persönliche Vorstellung von (Glaubens-)Freiheit sein.

Wir Religiösen müssen unsere eigene Religion besser verstehen lernen, um ein positives Beispiel geben zu können. Viele können das. Aber viele eben auch nicht. Vielleicht können wir Euch, uns Antworten auf Probleme unserer Gesellschaft geben? Zum Beispiel Gerechtigkeit. Weil es bei uns eine „Zakat“ gibt, eine Art Steuer auf Besitz, die für uns Muslime verpflichtend ist, einer unserer wichtigsten Glaubenspfeiler, mit dem wir den Ausgleich zwischen Arm und Reich fördern, ebenso wie bei unserem Zinsverbot.
Diktiert uns dabei nicht, was unsere Religion ist. Wir müssen das selbst rausfinden. Es gibt Leute, die etwas dazu sagen können. Geben wir ihnen Raum. Traut uns zu, dass wir das hinbekommen können.
Gebt uns Chancen im Job. Glaubt Ihr wirklich, als verhüllte muslimische Frau könnte man einfach so einen guten Beruf ausüben? Ich persönlich habe über 170 Bewerbungen geschrieben als qualifizierte Kraft und keiner wollte mich haben. 14 Bewerbungen ohne Kopftuch haben für drei Einladungen gereicht. Und einen Job. Aber ich verstecke mich. Das macht mich unglücklich. Und es ist ungerecht.
Vielen geht es so, dass sie es versuchen. Aber Ihr seid auch in der Verantwortung. Reicht uns die Hand und gebt uns eine Chance. Damit wir helfen können, die Missstände bei uns zu beseitigen.

Und dann werden wir vielleicht endlich ein „wir“. „Wir“, die Menschen in Europa, mit unseren Christen und unseren Muslimen und unseren Atheisten und was weiß ich wem. „Wir“, die Deutschen, die Deutschen mit deutschen Wurzeln und die Deutschen mit ausländischen Wurzeln. Und die bei uns lebenden Ausländer, die Schutz bei uns suchen, oder bei uns zu Gast sind. Und „wir“ finden vielleicht auch endlich eine Lösung, wie wir all die Ungerechtigkeit und die Probleme, die wir derzeit haben, endlich wieder in den Griff kriegen.

Wir brauchen als erstes Gerechtigkeit. Und Bildung. Ein wenig Geduld und Nachsicht. Toleranz und Dialog. Und unsere eigene Verantwortung für unser Handeln. Was wir schreiben. Wenn wir keinen Hass wollen, dann müssen wir lernen, vernünftig miteinander zu reden. Keinen Mist posten. Fiese Kommentare löschen. Wieder auf die Vernunft und auf unser Herz hören. Denn das ist es, was wir alle wollen. Frieden und Liebe. Das geht nur zusammen. Egal mit oder ohne welchen Glauben. Wir sind eins. Menschen.

Salamu alaikum
Eure KaleidoPhi

Zu den gestrigen Anschlägen

Liebe Kopten, liebe Christen, liebe Menschen,

es tut mir leid, was gestern in Ägypten passiert ist. Und auch zuvor in Stockholm. Und anderswo.

Wir wissen, ich weiß, Ihr habt Angst vor unserer Religion, weil Menschen wie diese, die ständig behaupten, Sie würden irgendetwas für Gott tun, Euch, Uns angreifen, verletzen, töten. Unsere Seelen massakrieren und vergiften und Freunde und Verwandte, Unbekannte und Bekannte in den Tod reißen.
Dazu haben Sie kein Recht und ich stehe auf Eurer Seite. Es trifft mich, so etwas zu sehen, macht mich traurig und treibt mir einen Kloß in den Hals.

Es tut mir nicht nur leid wegen der Menschen, die sie töten und all des Leids, dass sie bei Betroffenen verursachen. Es tut mir auch leid wegen uns. Wir sind Freunde und gehören zusammen. Und sie trennen unsere Bande, die uns seit Jahrhunderten verbinden. Versuchen zu zerstören, was funktioniert, trotz all der Unterschiede und Gegensätze. Mal besser, mal schlechter. So ist das eben in Beziehungen.

Auch wenn Ihr uns Muslime deswegen hassen solltet. Ich hasse Euch nicht. Weil ich Euch verstehe und genauso ein Teil bin von Euch, auch wenn Ihr das nicht so seht. Ich gehöre nicht zu diesen Mördern. Und auch meine muslimischen Freunde nicht.

Ich mag den Papst. Den Franziskus jedenfalls. Er ist ein Friedensstifter. Und er findet die richtigen Worte für all diesen Hass. Ich schließe mich seinem Gebet an und hoffe, dass „Gott jene, die Terror, Gewalt und Tod säen, zur Umkehr bewegen möge“.

Und Ihr, die Ihr glaubt, solche Taten wären gut: Seid wann liebt Gott Hass?

Eure KaleidoPhi

Warum „KaleidoPhi“?

Als ich mir die Frage stellte, wie ich denn mein Blog nennen könnte, hatte ich ziemliche Schwierigkeiten, einen passenden Namen zu finden. Warum nennen wir uns so oder anders? Es hat etwas mit unserer Identität zu tun. Wie wir uns selbst sehen, oder zumindest, wie wir werden oder gesehen werden wollen. Ich könnte mich ja „Kleopatra“ nennen, weil sie eine schöne Frau war. Welche Frau wär nicht gern so schön? Schon stürmen die ersten Reaktionen auf mich ein, ob ich mir denn anmaßen würde, mich mit dieser beeindruckenden Frau zu vergleichen? Gott bewahre. „Kleopatra“ kam mir nie ernsthaft in den Sinn. Das mit der Optik lasse ich jetzt mal beiseite.
„Wie sehe ich mich? Und welches Bild ist realistisch? Wer möchte ich sein? Was gefällt mir? Wie viel von dem, was ist, ist relevant und was möchte ich überhaupt preisgeben? Was ist meine Intention? Habe ich überhaupt eine, außer meine Gedankenwelt nach außen zu tragen? Und kann und will ich mich auf irgendetwas eingrenzen lassen?“

Nun fielen mir allerlei Begriffe ein. Brainstorming beim Abspülen: „Deutsche, konvertierte Muslimin. Modern. Kopftuchtragend. Gar nicht mal so doof. Belebte Vergangenheit. Unverheiratet. Berufstätig.“
Und schon wieder dieser nervende Satz in meinem Kopf: „Der Islam gehört zu Deutschland“ (Meinen ernst gemeinten Dank, Herr Wulff!). Ich bin der lebende Beweis dafür. Nur oder besser, gerade deshalb will ich mich nicht auf diese Argumentations-Rhetorik einlassen, die uns wohl schon allen ziemlich aus den Ohren quillt.
Ja, ich definiere mich über meinen Glauben, aber eben nicht nur. Ich bin Mensch. Weltverbesserer. Idealist. Unperfekt. Habe Humor – viel zu schwarz für meinen Glauben, da arbeite ich noch an mir. Ich mag Musik. Alternativ. Punk. HipHop/Rap. Popmusik und orientalische Klänge. Nasheeds, solange sie nicht allzu selig klingen. Klaviermusik. Den Bolero. Die Moldau. Und Geigen. Dupstep.
Ich liebe Ornamente. Architektur. Meinen Beruf. Kung Fu. Hippieklamotten und Blumen. Wasser. Das Meer. Wind. Und Regen. Ich liebe Menschen. Bücher. Und Schreiben. Schöne Kunst und Farben. Grau mag ich auch.
Gelegentlich begegnen mir Menschen, die sich beim Versuch, mich in eine Schublade zu stecken, die Zähne ausbeißen. Ein Freund meinte kürzlich zu einem neuen Bekannten: „Viel Spaß bei dem Versuch!“  Provokation liebe ich auch. Aber eben auch schöne Worte. Respekt. Intelligenz. Bescheidenheit.

Wie packt man das alles in einen Namen, der für mich doch auch wichtig ist? Und dann war die Idee da! Viele Facetten. Ein Kaleidoskop! Je nachdem wie man darauf blickt, sieht man einen anderen, aber eben nur einen Teil des Ganzen. Bunt. Nicht ganz zu fassen. „Schöne Formen sehen“, soll das heißen. Das passt ja. Ich möchte Dinge auf eine schöne Weise betrachten. Und sie auch für andere sichtbar machen.
Der goldene Schnitt fällt mir ein. Ammoniten. Fibonacci. Die Natur. Also Phi. Da spiegelt sich Gott – in meiner Welt. Und geboren war „KaleidoPhi“. Das Gesamtpaket. Teil des Ganzen. Zur Betrachtung einladend.
Und damit folge ich einem inneren Bedürfnis, wie auch dem Aufruf von Kübra Gümüşay und Mariah Idrissi: „Macht Euch sichtbar. Sagt, was Ihr zu sagen habt. Seid Ihr selbst.“ Damit die Welt ein Stückchen besser wird. Inshaallah. So Gott will. Und hoffentlich gelingt mir das so gut, wie Herrn Dr. Sarfraz Mohammed Baloch, der mich ebenfalls sehr inspiriert hat bei meiner Suche nach einer Antwort, warum ich eigentlich schreiben will und warum ausgerechnet meine Stimme etwas zu (m)einem höheren Ziel beitragen könnte. Eine Rose an Kübra: „Organisierte Liebe“. Danke, Kübra. Weine nicht. Die Welt ist voller Liebe. Und mit unseren Worten machen wir sie sichtbar. Inshaallah. Amin.

Eure KaleidoPhi