In meinem Schreibkurs, den ich nun seit knapp einem Jahr belege, tauchte die Frage auf, warum wir uns schreibend mit der Welt auseinandersetzen. Die Antwort, die ich mir darauf mittlerweile geben kann, beeindruckt mich selbst derart, dass ich sie gerne hier teilen möchte.

Mein erster Text  „Joe – eine Kurzgeschichte oder 101 Tage und die Hoffnung auf mehr„, den ich vor knapp zwei Jahren geschrieben habe, war für mich damals ein Ventil, als mein schwer krebskranker Freund und potentieller Partner nach einem Schlaganfall für mich über eine größere geografische Distanz nicht mehr greifbar war. Der Text war zudem mein Geburtstags- und Abschiedsgeschenk für ihn und eine Liebeserklärung, da wir uns noch nicht sehr lange kannten.

Danach wurde das Schreiben für mich mein Weg, seinen Tod und meine Einsamkeit nach einem weiteren Umzug zu überwinden, in dem Schreibkurs, den ich auf der Suche nach neuen Möglichkeiten belegte, neue Perspektiven und sogar neue Freunde zu finden und schließlich meine zahlreichen Facetten als ein Ganzes sichtbar zu machen, mich so zu komplettieren, auf einem Lebensweg, der von vielen Umzügen und wechselnden Freundeskreisen geprägt war, Menschen, die immer nur einen Teil von mir kennenlernen konnten.

Auf diesem Weg ist Schreiben für mich außerdem ganz besonders ein Mittel geworden, für eine tolerantere und bessere Welt zu kämpfen, andere Blickwinkel aufzuzeigen und die Herzen der Menschen zu erreichen (siehe „Warum „KaleidoPhi“?„).

Manchmal beschenke ich mit einem Text auch einfach einen Freund oder eine Freundin.

Mittlerweile ist das Schreiben für mich auch Teil meines Kampfes gegen die Depressionen geworden, an denen ich seit frühester Jugend leide, die Überwindung der Sprachlosigkeit und Isolation in dieser Krankheit, ein Weg der Kommunikation mit meiner Umwelt. Und ein Mutmachen für andere, die in ähnlichen Krisensituationen stecken.

Durch den großen Zuspruch ist Schreiben auch Teil meines Lebenskonzeptes und Stütze meines Selbstwertes geworden, in einem Lebensabschnitt, der bisher Gültiges ins Wanken gebracht hat.

Zusammenfassend könnte ich sagen, dass mein Schreiben mir und anderen Mut macht und machen soll und in der heutigen, krisengebeutelten Zeit ein Baustein des Friedens.

Und ich danke den Freunden, die ich nun schon seit längerer Zeit habe oder die ich neu hinzugewonnen habe, für ihren Zuspruch und dafür, dass sie mich auf meiner Reise begleiten und unterstützen. In ihnen habe ich ein Zuhause gefunden.

Vielen Dank!

Eure KaleidoPhi

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2 Gedanken zu “Warum schreibe ich?

  1. Ich finde es immer sehr beeindruckend, wie unfassbar viel das geschriebene Wort für uns leisten kann. Es ist immer eine besondere Form von Kommunikation und in deinem Text zeigt sich, wie breit gefächert diese Möglichkeiten des Kommunizierens sind.

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